[git] Universal Edition - Karl Scheit

von Michael Siepmann » Mittwoch, 12. Mai 2004



Hi NG,

als ich von John Williams die "Große Sonate für Gitarre" von Paganini
hörte, beschloß ich, mir die Noten zu holen. Und fand sie in der
Universal-Edition, Herausgegeben von Karl Scheit.

John Williams spielt in diesem Stück eine Variation, die nur aus
Flageolett-Tönen besteht. Da ich sie in meinem Buch nicht fand nahm ich
an, daß Williams da selbst was reingebaut hat. Ist ja nicht ungewöhnlich
bei Gitarristen.

Nun kam ein Schüler mit "Introduction et Variations (Theme de Mozart)" von
Sor. Ich habe die Noten davon mal in der DDR gekauft, was etwa 25 Jahre
her sein dürfte. Als ich in die Noten des Schülers schaute (Universal
Edition - Herausgeber Karl Scheit), traute ich meinen Augen nicht: Hier
mal eine Note, da mal eine Note... Das Stück war bis zur Unkenntlichkeit
gekürzt.

Nichts, gar nichts stand davon auf dem Umschlag oder sonst irgendwo im
Buch. Es wurde sozusagen als "Vollversion" verkauft. Ich finde das eine
Frechheit. Nun ist mir auch klar, warum Teile bei meinen Noten von
Paganini fehlen.

In meinen Augen ist das Betrug.

Gruß
Michael

--
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Re: [git] Universal Edition - Karl Scheit

von rogge.claus » Freitag, 14. Mai 2004







Es gibt oft mehrer Quellen fuer das gleiche Stueck. Sor´s Grand Solo
op.14 z.B. haben seinerzeit schon drei oder vier Verleger
herausgegeben, und fuer jeden hatte der gute Fernando eine eigene
Version.

Die Introduktion zum op.9 wegzulassen ist uebrigens eine Tradition,
die auf Segovia zurueckgeht. Der alte Mann war ja auch sehr kreativ im
Bearbeiten ;)



Re: [git] Universal Edition - Karl Scheit

von deaf_null » Freitag, 14. Mai 2004







Nein, das nennt sich "Bearbeitung". :-)


Gerhard



Re: [git] Universal Edition - Karl Scheit

von Stephan Zitzmann » Samstag, 15. Mai 2004







Wenn Du als Lehrer für klassische Gitarre, dieses Wort in den Mund
nimmst, solltest Du etwas über die damalige Situation wissen. Man war
dabei das Repotire wieder zu entdecken. Dabei stellt sich das Problem,
dass die Gitarren der Sorzeit kleiner waren als die damaligen.

Manches war mit dem damaligen Stand der Technik nicht richtig spielbar
und man hat so manches berichtigt.

Die Scheitausgaben sind halt teilweise zum Standard geworden. Bei der
d-moll Suite von Robert de Visee fehlen schlichtweg ein paar Sätze.
Wenn Du versuchst an der Tabulatur zu bleiben, wird es ein undankbares
Stück. Scheit war und musste sehr pragmatisch sein und auch andere
Herausgeber. (Teuchert, Behrend)

Man sollte Scheitausgaben momentan eher als Anregung benutzen, wer
musikwissenschaftlich Korrektes haben will, muss sich andere Quellen
bedienen. Aber das ist in Klassikgitarristenkreisen der allgemeine
Stand der Kenntnis.

Grüsse
Stephan



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