Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Stefan Schilling » Sonntag, 7. September 2003



Hallo,

wir haben seit etwa 2 Monaten einen Kongo Graupapagei - Jacki,
31 Jahre alt, Wildfang, bisher nur in Einzelhaltung, noch dazu
blind und daher zwangsläufig flugunfähig (Federn gestutzt, zur
eigenen Sicherheit).

Natürlich soll Jacki auf seine alten Tage noch eine Partnerin
bekommen. Bisher ist er nämlich mit mir 'verheiratet'. Leider
steht er auf Männer - meine Frau daarf ihn nicht anfassen :-(

Seine Zukünftige ist auch schon ausgeguckt. 24 Jahre alt, bis
jetzt ebenfalls immer in Einzelhaltung, und ebenfalls
flugunfähig.

Mal abgesehen davon, ob die 'Chemie' zwischen Jacki und seiner
vorgesehenen Partnerin stimmt (das sehen wir dann schon)...
Hat jemand Erfahrung mit der Verpaarung von alten, behinderten
Graupapageien, die aus Jahrzehnte langer Einzelhaltung
stammen? Oder kennt jemand links dazu? Bin für Hinweise
dankbar, da das googlen danach keine brauchbaren Ergebnisse
brachte. Wichtig ist halt, dass Jacki blind und damit völlig
hilflos gegenüber 'Angriffen' (= auch gut gemeinten
Kontaktaufnahmen) ist.

Bisher haben wir Jacki aus seinem popeligen 60x90 cm Käfig in
eine neu gebaute Voliere (250x200x100) umgesiedelt, die er
trotz seiner Blindheit auch schnell und mit Begeisterung
angenommen hat. Geplant ist, eine Zwischenwand mit
Doppelgitter in die Voliere einzusetzen, damit er und seine
Zukünftige sich erstmal 'Seite an Seite' beschnuppern können.

Aber wie weiter...

Viele Grüße,
Stefan



Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Aestiva » Montag, 8. September 2003



Hallo Stefan!
Bei aller Liebe (und dem normalerweisen richtigen Verpaarungsgedanken) bin
ich in diesem Fall arg skeptisch!

Ich stelle mir - ehrlich - die Frage, ob man das dem alten behinderten Jacki
noch zumuten kann!
Verpaarung ist bei älteren Papageien IMMER schwierig - schon unter
"normalen" Umständen, bei einigen klappt es nie.
Mich wundert ausserdem, das er diese - für ihn und seine Blindheit - RIESIGE
Voliere "begeistert" aufgenommen hat, da ja bekannt ist, das Graue äusserst
konservativ sind und man speziell bei blinden Vögel eine kleinen (und in
diesem Fall auch noch bekannten) Käfig wählen sollte. Das er sein Futter
findet heißt ja fast, das er doch noch einwenig sieht.
Ich meine beinahe, Du tust dem Vogel bei allen guten Willen unwissentlich
nur Stress an!
Ich hätte ihm seine gewohnte Umgebung gelassen und auch seine enge Bindung
zu Menschen. Er hat wahrscheinlich 'eh nur noch ein paar Jahre, ist ja schon
recht alt, da würde ich alles beim alten lassen und ihm viel Zuneigung und
Beschäftigung geben.
Nun hast Du die "Vermählung" ja schon angeleiert und fragst, wie es
weitergehen soll. Ich würde die beiden nebeneinander stellen und wenn es bei
"Freigang" zu Angriffen kommen sollte, es auch so lassen und sie nicht
zusammen setzen. Der arme Jacki sitzt auf der Rangordnungsliste ganz weit
unten und kann sich nicht wehren, auch nicht am Futternapf durchsetzen.
Das er deine Liebste nicht mag und beisst ist völlig normal - Papageien
haben bei den Geschlechtern Vorlieben - sogar, wenn sie verpaart sind.

Viel Glück wünsch ich Euch!









Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Doris Widtmann » Montag, 8. September 2003



Hallo Stefan!

Ich kann dir nicht mit Tipps aus der Praxis weiterhelfen. Meine
Erfahrung mit "behinderten" Vögeln beschränkt sich auf flugunfähige
Tiere.

Aber als Tipp: Setz dich vielleicht mal mit der Webmasterin
von http://www.papageienfreunde.com in Verbindung. Ob sie bereits
mit blinden Vögeln zu tun gehabt hat weiss ich zwar nicht, aber
"Problemvogel"-Erfahrung ist viel vorhanden (siehe
http://www.papageienfreunde.com/so %20nicht.htm). Vielleicht
bringt es etwas - fragen kostet ja nichts.

Ansonsten toi, toi, toi - ich weiss eigentlich selber nicht, was
ich an deiner Stelle tun würde. Ähnlich wie "Aestiva" (Sorry,
habe keinen Vornamen in deinem Posting gefunden :-)) weiss
ich nämlich auch nicht, inwiefern bei speziell diesem Vogel
großartige Aktionen in Richtung "artgerechte Haltung" wirklich
Sinn machen. Das kannst denke ich nur du abschätzen, wir kennen
das Verhalten des Vogels ja nicht. Das er die große Voliere
angenommen und sich darin zurecht gefunden hat grenzt denke
ich an ein (tolles :-)) Wunder.

Das Alter ist auch so eine Sache... Mit 31 Jahren kann er kurz
vor`m Umkippen sein oder noch doppelt so alt werden. Ist
eine schwere Entscheidung.

Ich hoffe, du berichtest auf alle Fälle wie es weitergeht?

Viel Glück wünschend,
Doris

--
http://www.ara-amazona.at
* Infos und Haltungsberichte über Aras und Amazonen
* Mit Aquaristikseiten zum Thema Zwerggarnelen und
anderen Wirbellosen




Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Aestiva » Montag, 8. September 2003








Hi Doris,
sorry - ich bins - Mooooooonaaaa ;-)
Die meisten kennen mich aufgrund meiner Emailadresse auch als Aestiva,
Unterschrift hab ich vergessen.

Ja, ist ein schwieriges Thema.
Man weiß nicht recht, was richtig ist in so einem Fall.
Hoffen wir, das alles gut läuft!

Gruß,
Mona





Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Doris Widtmann » Montag, 8. September 2003



Hallo Mona!

Aaaaachsooooo. *doppeltunddreifachgrins*

Mfg,
Doris

--
http://www.ara-amazona.at
* Infos und Haltungsberichte über Aras und Amazonen
* Mit Aquaristikseiten zum Thema Zwerggarnelen und
anderen Wirbellosen



Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Stefan Schilling » Montag, 8. September 2003



Hallo,


online.de says...


Wir auch...


Zunächst mal: kein falsches Mitleid mit der alten
Blindschleiche ;-) Der ist zwar blind, aber das schon seit
etwa 8 Jahren, und er kommt damit prima zurecht. Ohren wie ein
Luchs, topfit und immer auf Abenteuer aus :-)


Der Vogel ist komplett mit seinem (ihm ewig bekannten) Käfig,
in dem auch nichts verändert wurde, in die Voliere umgezogen:
http://www.domfree.de/yoyo092134/jacki_20030831.jpg
Wir haben dann nur die Käfigtüren aufgemacht und abgewartet.
Futter und Wasser hat er natürlich auch weiterhin an seinem
gewohnten Platz im Käfig.

Er ist es aber vom Vorbesitzer gewohnt, ständig in der Wohnung
umherzulaufen. Bei offener Käfigtür fängt er sofort an, aussen
am Käfig herunterzuklettern und seine Umgebung zu erkunden.
Nun, das gleiche tut er in der Voliere jetzt - auf begrenztem
Raum - auch.


Nein, das ist tierärztlich eindeutig abgeklärt. Der sieht
absolut nichts. Er ertastet sich halt seinen Weg, und so gross
ist die Voliere nicht, dass er dabei nicht auf das Futter am
Boden treffen würde. Aber wiegesagt, er hat in der Voliere
auch seinen Käfig, in dem Futter ist. Den erkennt er sofort
(anderes Gitter als die Voliere).


Wir zwingen ihn zu nichts, auch nicht zur Verpaarung. Wenn das
nicht klappen sollte, ist es auch kein Unglück. Der
vorgesehene Partnervogel ist dann auch anderweitig
vermittelbar. Die Besitzerin muss ihn sowieso zur Vermittlung
abgeben, weil sie ins Altenheim geht und das Tier leider nicht
mitnehmen darf. Der Vogel kommt daher ohnehin zur Vermittlung
zu einer Bekannten in unserer Nähe. Wenn es mit Jacki nicht
klappt, wird sich für den eine andere Lösung finden.


Die Umgebung hat er ja noch. Aber: Schon nach knapp einer
Woche samt Käfig in der neuen Voliere hat er sich angewöhnt,
auf einem Ast oder dem Volierenboden zu schlafen und auch dort
zu fressen. Im Käfig sieht man ihn nur noch selten zum futtern
(doch, er findet seinen Käfig problemlos). Trotzdem soll sein
gewohntes Zuhause dort so lange bleiben, wie er will.


Diese sehr enge Menschenbindung hat er seit Jahren jetzt
erstmalig wieder mit mir. Weil er halt auf Männer steht, und
der Mann des Rentnerehepaares, bei dem er war, schon vor
Jahren gestorben ist. Sein Verhältnis zu Frauen ist eher
'distanziert' :-/

Vielleicht macht man sich leicht falsche Vorstellungen, wenn
man 'alt und blind' hört. Der Vogel sitzt keinesfalls
verängstigt in seinem Käfig rum, sondern ist ein echter
Abenteurer. Bsp.: wenn ich morgens füttere und Volieren (wir
haben noch 12 Agas und 6 Sperlingspapageien) sauber mache,
sitzt er auf meiner Schulter und kaut mir ein Ohr ab.

Aber nach einer halben Stunde hat er davon genug und will auf
Abenteuer gehen. Dann klettert er senkrecht an meinen
Klamotten runter, bis er festen Boden unter den Füßen hat, und
stiefelt los - im seligen Vertrauen darauf, dass ihn schon
irgendwann ein netter Mensch wieder aufsammeln wird :-)

Gerade am Computer: von der Schulter auf den Schreibtisch, ein
paar Tastenkappen rausgepult, dann quer rüber zum Vorhang,
flugs ein paar Löcher reingefressen, dann am Vorhang rauf
auf's höchste Regal, Sachen runterschmeissen. Wer nicht weiss,
dass Jacki blind ist, merkt ihm das nicht an...


He, sag' sowas nicht. Der Jacki wird 50 Jahre alt, das ist
schon beschlossen ;-) Sein Alter merkt man ihm höchstens daran
an, dass er doch relativ viel schläft. Und natürlich stören
wir sein Ruhebedürfnis nicht.


Das tue ich auch sehr gerne und bin natürlich auch
geschmeichelt, dass er mich als Partner erwählt hat. Aber ich
kann ihn halt nicht stundenlang täglich kraulen, und es tut
mir immer leid, wenn er (vergeblich) mich füttert statt eines
Partnervogels.


Das hatten wir vor, halt mit Trennwand in der Voliere.
Meinetwegen können die beiden auch erstmal Monate so
nebeneinander her leben, auf Zeit kommt es bei dem Alter der
Tiere nun wirklich nicht an. Aber dann hört und 'spürt' er
wenigestens schon mal einen Artgenossen.

Wir erwarten auch nicht, dass zwischen zwei so alten
'Einzelgängern' noch die große Liebe entflammt. Wenn die
beiden sich so weit verstehen, dass sie irgendwann in ferner
Zukunft mal nach Papageien-Art kuschelig nebeneinander sitzen,
ist schon viel gewonnen.

Möglich, dass das schief geht und Jacki sofort eifersüchtig
und biestig wird, wenn er meine Gunst mit einem anderen Vogel
teilen soll. In dem Fall denke ich doch, das wir das
rechtzeitig merken und den Verpaarungsversuch eben abbrechen.


Das ist uns schon klar. Er würde im direkten Kontakt mit
anderen Vögeln gnadenlos untergehen :-(


Danke, können wir brauchen. Wenn es so weit ist, werde ich
mich sicher noch mit der ein oder anderen Frage an dich
wenden.

Viele Grüße,
Stefan



Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Stefan Schilling » Dienstag, 9. September 2003



Hallo Doris,


XXXX@XXXXX.COM says...


Ich habe schon an der Reaktion hier gemerkt, dass Jacki
scheinbar etwas aus der Art geschlagen ist :-)

Als ich zum ersten mal gesehen habe, wie er vom 'Freisitz'
seines Käfigs (kann man oben aufmachen und eine Sitzstange
zwischen klemmen) zielstrebig aussen am Gitter
herabgekletterte und am Vierkantstahlrohr eines Standbeins
'runter rutschte, um auf 'Expedition' zu gehen, war ich auch
völlig geplättet.

Und einmal am Boden, stapft er einfach drauf los, bis er auf
etwas trifft, dass er anknabbern oder an dem er hochklettern
kann. Und das tat er dann auch stundenlang. Und wenn er müde
war, blieb er einfach da stehen, wo er gerade stand... und
schlief ;-)

Ich nehme diese Abenteuerlust und sein grenzenloses Vertrauen,
dass ihm schon nichts passieren wird, einfach mal als Indiz,
wie gut er immer von seinen Vorbesitzern behandelt wurde.

Wir haben uns an dieses Verhalten schnell gewöhnt, aber es gab
auch den Ausschlag für den Volierenbau. Weil wir ihn halt
nicht mehr ohne ständige Aufsicht auf dem Käfig sitzen lassen
konnten.


Aber klar ;-)

Viele Grüße,
Stefan



Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Uwe Hercksen » Dienstag, 16. September 2003






Hallo,

wenn er blind ist, wie unterscheidet er dann zwischen Dir und Deiner Frau?

Bye




Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Stefan Schilling » Mittwoch, 17. September 2003





XXXX@XXXXX.COM says...


Der 'sieht' in erster Linie mit den Ohren. Und Jacki hört
sprichwörtlich das Gras wachsen. Wir sprechen anders, gehen
anders, atmen anders... Ohne mit ihm zu sprechen, darf man ihn
ohnehin nicht anfassen, weil er dann nicht weiss, was los ist
(und wo man ist) und das als Angriff auffassen würde.

Ausserdem hat er einen guten Tastsinn, so orientiert er sich
ja in seiner Umwelt. Wenn ich ihn z.B. in seine Voliere zurück
setze, weiss er (anhand von Durchmesser, Struktur, Form?)
sofort, auf welchem Ast er abgesetzt wurde.

Ich nehme an, dass er so auch ohne Gehör meine Finger, Hals,
Gesicht von denen meiner Frau unterscheiden kann. Zumindest
merkt er es mit 100%iger Sicherheit.

Viele Grüße,
Stefan



Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Walter Elefant » Donnerstag, 9. Oktober 2003



ganz einfach,nach dem geruch.servus walter








Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Stefan Schilling » Donnerstag, 9. Oktober 2003





XXXX@XXXXX.COM says...


Unwahrscheinlich. Papageien können eigentlich nur richtig
riechen, wenn sie allzu lange nicht gebadet haben ;-)

Viele Grüße,
Stefan



Re: Frage: Verpaarung von Graupapageien

von Walter Elefant » Samstag, 8. November 2003



den papagei habe ich auch nicht gemeint,servus walter










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