Palaestina/Israel: Israels heiliger Terror

von Gerhard Lange c/o GIV » Dienstag, 25. Mai 2004



Der wahre David
Israel 1947 - 1956

Thomas Immanuel Steinberg

Der David, den wir aus dem Kindergottesdient kennen, war ein listiges
Kerlchen. Der wahre David, wie ihn die Bibel beschreibt, konnte nicht
nur mit der Steinschleuder umgehen. Er hatte sich als Bären- und
Löwentöter erprobt. Nach der Erschlagung des Philisters Goliath und
der Vernichtung seiner Stammesbrüder sangen die Frauen im Reigen und
sprachen: Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend. Von
den Geschuritern, Girsitern und Amalekitern ließ er weder Mann noch
Frau leben. Seine Männer erschlugen anschließend von Benjamin und
den Männern Abners dreihundertundsechzig Mann. David schlug auch die
Moabiter und ließ sie sich auf den Boden legen und maß sie mit der
Meßschnur ab. Er maß zwei Schnurlängen ab, so viele tötete er, und
eine volle Schnurlänge, so viele ließ er am Leben. David schlug von
den Aramäern zweiundzwanzigtausend Mann. Er schlug die Edomiter im
Salztal, achtzehntausend Mann. Denn der Herr half David, wo er auch
hinzog. Die Aramäer flohen vor Israel, und David vernichtete von
den Aramäern vierzigtausend Mann; und Schobach, den Feldhauptmann,
erschlug er, daß er dort starb. Mindestens 90.000 Menschen hat David
vernichtet, so die überschlägige Rechnung von Hannes Müller, Berlin.

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Israel und David Ben Gurion bis 1956
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Den kleinen David Israel aus dem Gemeinschaftskundeunterrricht, der
sich des Riesen Arabien bei Strafe seines Untergangs habe erwehren
müssen, gab es ebensowenig wie den David aus dem Kindergottesdienst.
Israel ähnelte von 1947 an weit eher dem biblischen David. Das hat
Moshe Sharett bezeugt. Moshe Sharett war unter David Ben Gurion
Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency, die die Gründung
des Staates Israel vorbeitete, von 1948 bis Juni 1956 (kurz vor der
Nationalisierung des Suez-Kanals durch Nasser) israelischer Außen-
minister unter Ben Gurion und von 1954 bis 1955 zugleich Premiermi-
nister. In seine Amtszeiten fielen

die Resolution 181 der Vereinten Nationen über die
Teilung Palästinas 1947

die Unabhängigkeitserklärung Israels 1948

der israelisch-arabische Krieg und die ethnischen Säuberungen
in den von Israel eroberten Gebieten, genannt Naqba,1948,
darunter die Besetzung des palästinensischen Dorfes Duelma

die Waffenstillstandsvereinbarung von 1949

die Staatspräsidentschaft von Chaim Weizman (1949 bis 1952)

der Beginn der Präsidentschaft von Isaak Ben Zwi 1952

das Beistandsabkommen der USA mit Israel 1952

die Ernennung Moshe Dayans zum Stabschef der israelischen
Steitkräfte 1953

die von israelischen Militärflugzeugen erzwungene Landung
eines syrischen Verkehrsflugzeuges in Israel 1954

die Verurteilung dreizehn israelischer Bombenleger in Ägypten
1954

der israelische Angriff auf den Gaza-Steifen im Februar 1955

das Massaker des Fallschirmjägerbataillons unter Ariel Sharons
Kommando an Beduinenjungen 1955

die Gefangennahme von fünf israelischen Spionen in Syrien 1955

der Beginn der Suez-Krise 1956.

Moshe Sharett starb 1965.

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Sharetts Tagebuch und Livia Rokachs Studie
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Sharett hat ein hebräisches Tagebuch geführt, aus dem sein Sohn
Yaqov Sharett 1979 politisch wichtige Eintragungen veröffentlichte.
Dem Tagebuch zufolge betrieben David Ben Gurion und seine Kabinette,
Sharett eingeschlossen, systematisch die Expansion Israels auf
Kosten aller seiner Nachbarstaaten. Die eingesetzten Mittel miß-
fielen Moshe Sharett, darunter Massaker, die Flugzeugentführung,
die Einschleusung von Attentätern, die Vortäuschung von Bluttaten
der Gegner mit einkalkulierten israelischen Opfern und der Plan
zur Errichtung eines Maronitenstaates im Südlibanon. Doch Sharett
begehrte nie auf.

1980 veröffentlichte Livia Rokach, die Tochter des Innenministers
unter Sharett, Israel Rokach, auf Englisch eine politische Studie
mit Auszügen aus den Tagebüchern Moshe Sharetts und weiteren
Dokumenten. Das Buch zeichnet von den politischen Zielen und
Methoden des frühen Staates Israel ein Bild des Grauens. Unter
dem Deckmantel der Vergeltung für gegnerische Taten trieb Israel
seine Expansion mithilfe blutiger Provokationen voran. Rokach
schreibt in ihrer Einleitung über Sharett:

"Er erkannte sehr klar, dass die Logik hinter Israels Sicherheits-
doktrin nichts anderes als Faschismus war und sah ganz richtig die
daraus resultierende moralische Korruption im Innern und die zu-
nehmende Gewalt auf regionaler Ebene voraus."

Die Autorin schließt: "In den frühen Fünfzigern wurden die Grundlagen
für die Errichtung eines Staates geschaffen, der besessen war von
der Idee des heiligen Terrors gegenüber den umliegenden arabischen
Gesellschaften, und an der Schwelle zu den Achtzigern wird genau
dieser Staat zum ersten Mal angeprangert von seinen eigenen
Intellektuellen als ein Staat, der zutiefst im Sumpf des Faschismus
versunken ist.

Dies mag der Grund dafür sein, dass westliche Journalisten,
Wissenschaftler und Analytiker durch das folgende Dokument sehr in
Verlegenheit gebracht werden. Diese Kommentatoren bestehen nämlich
weiterhin auf der moralischen Verpflichtung des Westens gegenüber
dem, was sie weiterhin hartnäckig als Israels Sicherheit mystifi-
zieren. In diesem Sinne zerstört Sharetts Tagebuch möglicherweise
die zionistische Propaganda in demselben Maße wie dies die Pentagon-
Papiere taten hinsichtlich des US-Einmarsches in Vietnam."

Nichts dergleichen ist geschehen. Rokach starb vor 1985. Doch ihr
Buch ist zugänglich, jedenfalls in der elektronischen englischen
Fassung.

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Das hebräische Tagebuch:
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Moshe Sharett: Yoman Ishi (Personal Diary). Herausgegeben
von Yaqov Sharett. Tel Aviv: Ma'a 1979

Englische Originalausgabe der Rokach-Studie:

Livia Rokach: Israel's Sacred Terrorism: A Study Based on Moshe
Sharett's Personal Diary and Other Documents. Belmont, Massachusetts:
Association of Arab American University Graduates, 1980. 73 pp.
Third Edition 1986. [Library of Congress Cataloging in Publication
Data Rokach, Livia. lsrael's sacred terrorism. (AAUG information
paper series: no. 23) ISBN 0-937694-70-3] Über amazon.de gebraucht
erhältlich für Ç 64, Stand: 18. Mai 2004

Der vollständige englische Text mit allen Vorworten, Anhängen und
Anmerkungen steht hier.
http://www.chss.montclair.edu/english/furr/essays/rokach.html
#CHAPTER%201:%20Moshe%20Sharett%20and%20His%20Personal%20Diary

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Deutsche Übersetzung der Studie:
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Livia Rokach: Israels heiliger Terror. Eine Studie auf Basis von
Moshe Sharetts persönlichem Tagebuch und anderen Dokumenten seiner
Zeit. Mit einer Einführung von Noam Chomsky. Aus dem Englischen
übersetzt von Gerd Albartus. Pfungstadt: Minotaurus Projekt, 1982.
Das Buch ist vergriffen, der Verlag besteht wohl nicht mehr.
Gebraucht war das Buch vor dem 18. Mai 2004 bei amazon.de erhält-
lich für Ç 10,49. Der Übersetzer Gerd Albartus war Mitglied der
Revolutionären Zellen und wurde im Dezember 1987 ermordet, siehe
http://www.freilassung.de/div/texte/rz/zorn/Zorn04.htm

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Englische Rezension der Studie:
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Eine Rezension von Richard H. Curtiss erschien 1985 . Sie ist hier
gespiegelt. Sie liest sich wie ein Menetekel.

Die folgenden Auszüge aus der Studie, Moshe Sharetts Biographie
und die Angaben über das Buch aus der Curtiss-Rezension hat die
Kritische Stimme ins Deutsche übersetzt. Die Übersetzungen wurde
für diese Internetseite leicht redigiert.

Den Hinweis auf die Rokach-Studie verdanke ich Werner Krämer vom
Prenzlauer Berg.

T:I:S, 19. Mai 2004

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Auszüge aus der Rokach-Studie
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Einleitung

Die allgemeine Unterstützung Israels während des letzten Viertel-
jahrhunderts basiert auf einigen Mythen, von denen sich der Mythos
von Israels Sicherheit am hartnäckigsten hält. Dieser Mythos, der
eine permanente existenzielle Bedrohung der jüdischen Bevölkerung
in Palästina unterstellt, ist sorgfältig gepflegt worden, um große
Summen für die militärische und wirtschaftliche Unterstützung Israels
lockerzumachen. Israels Sicherheit ist das offizielle Argument,
mit dem nicht nur Israel sondern auch die USA dem palästinensischen
Volk in seinem eigenen Land das Recht auf Selbstbestimmung verwehren.
Während der letzten Jahrzehnte ist dieses Argument als legitime
Rechtfertigung für Israels Verletzung internationaler Bestimmungen
akzeptiert worden. Während der letzten 13 Jahre wurde immer das
Argument der Sicherheit angeführt, um die Besetzung der arabischen
und palästinensischen Gebiete fortzuführen. Das Argument Sicherheit
ist immer noch der Vorwand für die großangelegten Massaker an der
Zivilbevölkerung im Libanon, für die Enteignung von arabischem Land,
für die Errichtung jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten,
für Deportationen und für willkürliche Inhaftierung von politischen
Gefangenen. Obwohl die Sicherheit der arabischen Bevölkerung in der
gesamten Region über die Jahre hinweg wiederholt bedroht war durch
offene oder versteckte Kriegshandlungen, terroristische Aktionen und
Unterwanderungspläne, und obwohl UNO-Resolutionen eine Festsetzung
von sicheren Grenzen für alle Staaten in dieser Region fordern,
stand allein die Sicherheit Israels im Blickpunkt der internationalen
Diskussion.

Die Hartnäckigkeit, mit der sich der Mythos von Israels Sicherheit
hält, zeigt, dass die Vorstellung, die Araber wollten den jüdischen
Staat eliminieren, weit verbreitet ist. Die Mehrheit der angesehen
westlichen Autoren, die diese Idee verbreiten, stützen sich dabei
auf die zionistische Darstellung der Ereignisse Ende der 40er Jahre,
als der Staat Israel gegründet wurde, und der 50er Jahre, als Nasser
an die Macht kam. Dabei wird Israels sogenannter Überlebenskampf
als moralisches Thema dargestellt. Die Medien präsentieren dabei oft
Politiker, die eigentlich aus ganz anderen Gründen Israel politisch
und militärisch unterstützen, mit dem Argument, "der Westen sei
Israel verpflichtet."

Andere Darstellungen der Fakten werden meistens unter den Tisch
gekehrt. So wurden die vor kurzem veröffentlichten Enthüllungen
von Nahum Goldmann (Le Monde Diplomatique, August 1979) praktisch
nicht zur Notiz genommen. Goldmann, der mehr als 30 Jahre lang
der Vorsitzende des pro-zionistischen jüdischen Weltkongresses
war, argumentiert, dass die Araber nicht befragt wurden zur
Teilung Palästinas im Jahre 1947, und dass ihre Bereitschaft,
einen politischen Kompromiß auszuhandeln, der möglicherweise den
Krieg von 1948 verhindert hätte, von Ben Gurion noch vor Mai 1948
per Veto abgelehnt und somit untergraben worden war.

Das kürzlich veröffentliche Tagebuch von Moshe Sharett (Yoman Ishi,
Tel Aviv, 1979) trägt einen wesentlichen Teil zur Entmystifizierung
von Israels Sicherheitsmythos und Israels Sicherheitspolitik bei.
Zwischen 1933 und 1948 leitete Moshe Sharett die Auslandsbeziehungen
der zionistischen Bewegung. Er war Leiter der politischen Abteilung
der Jewish Agency und Außenminister Israels von 1948 bis 1956. 1954
und 1955 war er sogar Premierminister. Die folgenden Seiten aus
seinem Tagebuch zeigen folgendes:

1. Die politische und militärische Führung Israels glaubte niemals
ernsthaft an eine Bedrohung Israels durch die Araber. Im Gegenteil,
sie tat alles, um das Dilemma, in dem sich die arabischen Regierungen
nach 1948 befanden, zu verschlimmern. Die arabischen Regierungen
waren einer militärischen Konfrontation mit Israel sehr abgeneigt,
doch mussten sie, um überleben zu können, ihrer Bevölkerung und den
vertriebenen Palästinensern in ihren Ländern irgendeine Reaktion auf
Israels aggressive Politik und andauernde Gewalt bieten. Mit anderen
Worten, die arabische Bedrohung war eine israelische Erfindung, die
die arabischen Regierungen aus inneren und inter-arabischen Gründen
nicht völlig verneinen konnten, obwohl sie in ständiger Angst waren
vor einem neuerlichen israelischen Angriff.

2. Die politische und militärische Führung Israels wollte die
arabischen Staaten in militärische Konfrontationen zwingen, da
sie annahm, dabei immer zu gewinnen. Ziel dieser Konfrontationen
war es, das Kräfteverhältnis in dieser Region radikal zu verändern
und den zionistischen Staat zur größten Macht im Nahen Osten zu
machen.

3. Um diese Ziele zu verwirklichen, wurden folgende Strategien
angewandt:

* Größere und kleinere Militäraktionen gegenüber der Zivilbe-
völkerung entlang der Waffenstillstandsgrenze, insbesondere
in den palästinensischen Gebieten der West Bank und im Gaza-
streifen, die damals unter jordanischer bzw. ägyptischer
Kontrolle waren. Diese Aktionen dienten zwei Zwecken: sie
sollten einerseits die Bevölkerung terrorisieren und anderer-
seits eine dauerhafte Destabilisierung herbeiführen, aufbauend
auf den schon vorhandenen Spannungen zwischen den arabischen
Regierungen und den Bevölkerungen, die sich durch sie nicht aus-
reichend gegen die israelische Aggression geschützt fühlten.

* Militäroperationen gegen arabische Militäreinrichtungen in den
Grenzgebieten, um die Moral der Armee zu untergraben und somit
zur Destabilisierung der Regimes über die Militärstrukturen
beizutragen

* Verdeckte terroristische Operationen mitten in der arabischen
Welt, sowohl zum Zwecke der Spionage als auch um Angst,
Spannungen und Instabilität zu schaffen.

4. Die Ziele, die durch diese Strategien erreicht werden sollten,
waren folgende:

* neue Gebietsgewinne durch Kriege. Obwohl Israel in dem
Waffenstillstandsabkommen von 1949/50 ein Gebiet zugesprochen
wurde, das um ein Drittel größer war als ursprünglich im UN-
Teilungsplan vorgesehen, war die israelische Führung nicht
zufrieden mit der Größe des Staates und den Grenzen, die sie
nach eigenen Angaben zu respektieren beabsichtigte. Ihr Bestreben
war es, zumindest das Gebiet des britischen Mandates Palästina
an sich zu bringen. Das Territorium wurde als ein lebenswichtiger
Faktor bei der Wandlung Israels in eine regionale Macht angesehen.

* Politische wie auch militärische Versuche, alle arabischen und
palästinensischen Forderungen nach Palästina zu unterbinden
durch die Vertreibung der palästinensischen Flüchtlinge im Krieg
von 1947-48, ganz weit weg in andere Teile der arabischen Welt
oder andere Länder.

* Subversive Operationen, die dazu bestimmt waren, Zwietracht
innerhalb der arabischen Welt zu säen, die nationalarabische
Bewegung niederzuwerfen und Marionettenregierungen zu schaffen,
die der israelischen Macht in der Region nicht gefährlich
werden würden.

Die Fakten, die das Tagebuch von Moshe Sharett zu den oben erwähnten
Punkten liefert, stellen eine ganze Reihe von wichtigen Interpreta-
tionen, die noch immer als historische Wahrheiten gehandelt werden,
in Frage. So zum Beispiel diese:

1. Bis heute gibt die Mehrheit der Wissenschaftler und Analytiker
die Verstaatlichung des Suez-Kanals als den Hauptgrund für den
Oktoberkrieg von 1956 an. So wird allgemein angenommen, dass die
geplanten Angriffe der Briten und Franzosen gegen Ägypten für
Israel die Gelegenheit boten, endlich mit den Übergriffen der
Fedayin entlang der Waffenstillstandsgrenze Schluß zu machen
und mit dem Nasserregime abzurechnen, dem man die Schuld für die
Übergriffe zuschrieb.

Doch was Sharett uns nun mitteilt in seinem Tagebuch ist, dass ein
größerer Krieg gegen Ägypten für den Frühherbst 1953 geplant war,
mit dem Ziel, den Gazastreifen und den Sinai zu erobern, also ein
Jahr bevor Nasser Neguib abgelöst hatte und bevor er seine Führung
gefestigt hatte. Man hatte sich darauf geeinigt, dass die inter-
nationalen Bedingungen für solch einen Krieg wohl innerhalb der
nächsten drei Jahren gegeben sein würden. Der israelische Angriff
auf Gaza im Februar 1955 war ein bewußt vorgenommener erster
Schritt hin zum Krieg. Ein paar Monate später traf die Regierung
die Entscheidung, den Gazastreifen zu erobern. Diese Entscheidung
stieß bei dem damaligen Außenminister (Moshe Sharett) auf heftigen
Widerstand, woraufhin seine politische Liquidierung durch die
Befürworter des Krieges, allen voran Ben Gurion, beschlossen wurde.
Hätte sich nicht der dreifache Angriff auf Ägypten abgezeichnet,
hätte Israel Ägypten im Alleingang, ganz so wie geplant, angegriffen.

2. Die Besetzung der West Bank und des Gazastreifens durch Israel
im Jahre 1967 wird allgemeinhin als ein Akt der Verteidigung Israels
gegenüber arabischen Drohungen dargestellt. Das Tagebuch Sharetts
hingegen liefert den eindeutigen Beweis dafür, dass die Besetzung
des Gazastreifens und der West Bank von Israel schon seit Anfang der
50er Jahre geplant wurde. Amerikanische Zionisten wurden über diese
Pläne 1954 informiert. 1955 wurden jüdische und arabische Menschen-
leben geopfert in einer Reihe von provokanten Anschlägen, die nur
verübt wurden, um einen Vorwand zu liefern für die Besetzung des
jordanischen Territoriums. Hauptursache für die Verschiebung der
Besetzung dieses Gebietes war die britische Präsenz in Jordanien,
die den haschemitischen König stützte.

3. Die permanente und gewaltvolle israelische Agression im Libanon
wird immer noch schamlos mit israelischen Sicherheitsinteressen
begründet. Insbesondere die israelischen Regierungssprecher, die
in den westlichen Medien ein devotes Sprachrohr fanden, versuchten
die massive Einmischung Israels im Libanon mit folgenden historischen
Argumenten zu erklären:

* in einem Kampf zwischen Muslimen und Christen, ein Konflikt,
der auch ohne äußere Einmischung ausgebrochen wäre, beschränkte
sich die Rolle Israels darauf, den Christen zu helfen.

* die Anwesenheit von palästiensischen Widerstandsgruppen, oder,
in israelischer Terminologie, von palästinensischen Terroristen,
machte die Einmischung Israels in die inneren Angelegenheiten
dieses Landes notwendig.

Sharetts Tagebuch hingegen liefert eine vollständige Dokumentation
über den diabolischen Plan Ben Gurions von 1954, den Libanon zu
"christianisieren", d.h. man überlegte sich zunächst, wie man
zunächst einmal einen inneren Konflikt im Libanon auslösen könnte.
Diese Idee mündete dann fünfzehn Jahre später in einen Plan, den
Libanon zu teilen und zu unterwerfen, lange bevor die palästinen-
sische Präsenz im Libanon zu einem politischen Faktor wurde.

Der Gebrauch von Terror und Gewalt mit dem Ziel, arabische Gegen-
gewalt zu erzeugen, die dann als die arabische Bedrohung für die
Existenz Israels hingestellt wurde, wurde von der damaligen "Nummer
2" des zionistischen Staates folgendermaßen erklärt:

"Ich habe lange nachgedacht über die vielen künstlichen Aktionen
und Gewalttaten, die wir uns ausgedacht haben und über die vielen
Zusammenstöße, die wir provoziert haben und die uns so viel Blut
gekostet haben, und über die Verletzungen von Recht und Gesetz
durch unsere Leute, all das hat zu schwerwiegenden Katastrophen
geführt, hat den gesamten Lauf der Ereignisse bestimmt und zu
unserer Sicherheitskrise beigetragen."

Eine Woche vorher erklärte Moshe Dayan, damals Stabschef, warum
Israel jegliche Grenzsicherungen, die von den benachbarten arabischen
Staaten oder von der UNO vorgeschlagen wurden, wie auch Vorschläge
der USA hinsichtlich formeller Sicherheitsgarantien, ablehnen mußte.
Solche Garantien, so sagte er voraus, könnten "die Hände Israels
binden." Vermutlich wären damit all die Angriffe und Einmärsche in
das Gebiet jenseits der Waffenstillstandlinie, die in den 50er Jahren
unter dem euphemistischen Namen Wiedergewinnungsmaßnahmen getätigt
wurden, nicht mehr zu rechtfertigen gewesen oder gar unmöglich
gemacht worden. Diese Maßnahmen, so Dayan,

"sind unsere zentrale Blutbahn. Sie ...helfen uns dabei,
innerhalb unserer Bevölkerung und unserer Armee eine
Spannung zu erhalten, damit wir immer junge Männer zu
unserer Verfügung haben, die bereit sind, in den Negev
zu gehen, wenn wir schreien, dass der Negev in Gefahr
ist." (26. Mai 1955)

Die Schaffung einer Belagerungsmentalität innerhalb der israelischen
Gesellschaft war notwendig, um den erfundenen Mythos von der
arabischen Bedrohung zu vervollkommnen. Beide Elemente sollten sich
dabei ergänzen. Obwohl die israelische Gesellschaft mit der starken
Einwanderung von Juden aus Asien und Nordafrika in die vom Staat
angeblich gepriesene homogene Gesellschaft sich dem ernstzunehmenden
Risiko einer sozialen und kulturellen Zersetzung ausgesetzt sah,
lag der tiefere Sinn der Belagerungsmentalität weniger darin, die
jüdische Gesellschaft in Israel gegen den gemeinsamen Feind als
Verteidigungsgemeinschaft zusammenzuschweißen. Vielmehr setzte man
darauf, die "moralischen Schranken" abzubauen, damit die Gesellschaft
eine Politik voll unterstützt, die im völligen Gegensatz stand zu
dem kollektiven ethischen Code, auf dem die allgemeine Erziehung
gründete und aus dem die Gesellschaft, so wurde angenommen, ihre
Lebenskraft bezog. Natürlich war dieser Code auch schon in der Ver-
gangenheit nicht immer respektiert worden. Gewalt und Terrorismus
waren schon von den frühen Zionisten ausgeübt worden, vor und während
des Krieges von 1947-48. Die folgende Aussage eines Soldaten, der
an der Besetzung des palästinensischen Dorfes Duelma 1948 beteiligt
war, ist nur ein Beweis von vielen, der erst kürzlich offengelegt
worden ist:

"Es wurden zwischen 80 und 100 Araber, Frauen und Kinder
getötet. Um die Kinder zu töten, schlug man ihnen die
Köpfe mit Stöcken entzwei. Es gab kein Haus ohne Toten.
Die Männer und Frauen der Dörfer wurden in Häuser gesperrt
ohne Wasser und Essen. Dann kamen die Saboteure, um die
Häuser zu sprengen. Ein Kommandant befahl einem Soldaten,
zwei Frauen in das Haus zu bringen, das er sprengen
wollte. ... Ein anderer Soldat brüstete sich damit, eine
arabische Frau zuerst vergewaltigt zu haben, bevor er
sie erschossen hatte. Eine andere arabische Frau mit
ihrem neugeborenen Baby mußte dann den Platz säubern für
ein paar Tage, und dann wurde auch sie zusammen mit ihrem
Baby erschossen. Gebildete und guterzogenen Männer, die
von allen als "gute Kerle".. betrachtet wurden, wurden zu
Mördern, und das nicht mitten in einer Schlacht, sondern
über die Strategie der Vertreibung und Ausrottung. Je
weniger Araber übrig blieben, desto besser." (Davar, 9.
Juni 1979)

Doch das Wissen um diese Ereignisse sickerte nicht durch in die
Gesellschaft. Ganz im Gegenteil, der Unabhängigkeitskrieg wurde
ritualisiert und zu einem wundersamen Sieg des (jüdischen)
Rechts über (arabische) Macht. Deir Yassin wurde von der
regierenden Labor-Partei (zu Unrecht) als ein einmaliger, ja
selbst verwerflicher Vorfall dargestellt und die Brutalität
der zahlenmäßig unbedeutenden Irgun-Gruppe dafür verantwortlich
gemacht. Bücher, Schulbücher, Geschichtsbücher, Anthologien und
die Medien rühmten ganz unbekümmert die moralische Qualität des
Krieges, die "Reinheit der Waffen", die von der Armee benutzt
wurden, und das jüdische Ethos, das dem Staat zugrunde lag.

Die Politik der Sicherheits- oder Wiedergewinnungsmaßnahmen der 50er
Jahre stellten daher in diesem Sinne einen qualitativen Fortschritt
dar. Die Strategien, die von der israelischen Führung selbst ent-
wickelt wurden, standen in völligem Widerspruch zu den regionalen
Gegebenheiten und vor allem zu internationalen Standards, zu deren
Einhaltung Israel sich ja formal verpflichtet hatte. Daher mußte
der Rückhalt innerhalb des Landes bedingungslos sein, d.h. auf
einer rein gefühlsmäßigen, ja fast instinktiven Ebene, ohne jegliche
Konzessionen an Vernunft und ohne moralische Zwänge. Ein strate-
gisches Ziel wie die Umwandlung Israels in eine regionale Macht
setzte notwendigerweise den Gebrauch von großangelegter, offener
Gewalt voraus und konnte nicht, noch nicht einmal im Mythos,
erreicht werden auf der Grundlage einer früheren moralischen Doktrin,
die deshalb ersetzt werden mußte durch eine neue. "Terrorismus und
Rache" wurden nun als die Schlagwörter der neuen "moralischen ...ja
sogar geheiligten" Werte der israelischen Gesellschaft gepriesen. Der
aufbrechende Militarismus benötigte nicht länger den idealistischen,
sozialistischen Anstrich einer Paimach, das neue militärische Symbol
war nun die Einheit 101, angeführt von Arik Sharon (Ariel Sharon).

Der Prozess dieser mehr kulturellen als politischen Wandlung verlief
nicht automatisch. In Wirklichkeit, so wie Dayan in dem oben ange-
führten Zitat zugibt, mußte viel Angst geschürt werden, um diese
Wandlung zu fördern. Dabei mußten sogar die Leben jüdischer Menschen
geopfert werden, um Provokationen herbeizuführen, die wiederum
anschließende Landgewinnungsmaßnahmen rechtfertigten, inbesondere
zu den Zeiten, als es den arabischen Regierungen gelang, die Wut
der drangsalierten und aufgebrachten Menschen, die in den arabischen
Grenzgebieten lebten, zu kontrollieren. Die israelische Bevölkerung
wurde täglich mit einer von Zensoren kontrollierten Propaganda
zugedröhnt, bei der über Bildmaterial die Monstrosität des Feindes
dargestellt wurde. Andere Bilder zeigten, dass ausgehandelte Sicher-
heitsabkommen mit dem Feind nur als fataler Beweis für Israels
Schwäche interpretiert werden konnten.

Als Abschluß dieses Prozesses sah Sharett die Wahl Menachem Begins
zum Premierminister 1977. Sharetts zionistische Perspektive basierte
auf einer politischen und diplomatischen Alternative zur Strategie
des Terrors von Ben Gurion und seinen Anhängern. Dadurch, so glaubte
er, könnte die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina
unterstützt werden und der Staat in der Zukunft vielleicht wachsen,
ohne dass die umliegenden arabischen Staaten allzu große Konzessionen
machen müßten. Sharett glaubte, dass seine Ziele erreicht werden
könnten, ohne den Westen deswegen in Schwierigkeiten zu bringen.
Er glaubte sogar, dass die israelischen Pläne mit denen des Westens
abgestimmt werden könnten. Er erkannte sehr klar, dass die Logik
hinter Israels Sicherheitsdoktrin nichts anderes als Faschismus war
und sah ganz richtig die daraus resultierende moralische Korruption
im Innern und die zunehmende Gewalt auf regionaler Ebene voraus. Er
war dagegen und war wohl auch das prominenteste Opfer dieser Doktrin.
Seine Niederlage jedoch war unvermeidbar, denn seine Mißbilligung
war mehr quantitativer als qualitativer Art und richtete sich mehr
gegen die Methoden als gegen die Inhalte; gegen die Anzahl der Opfer
einer bestimmten Militäraktion z.B. und nur ganz vage gegen die
Ideologie, die hinter diesen Aktionen stand. Grundsätzlich war er
in seinem unerschütterlichen Glauben an den Zionismus von dieser
Strategie gleichermaßen fasziniert wie angewidert, so wie er
gleichermaßen gierig war auf ihre direkten Erfolge, wie er besorgt
war über die langfristigen Konsequenzen und die internationalen
Reaktionen auf den Zionismus und Israel.

Seinen Widerstand konnte die politisch-militärische Führung Israels
nicht länger hinnehmen, wollte sie ihre megalomanischen und krimi-
nellen Pläne durchführen. Seine Ausschaltung wurde daher zwingend
notwendig. Seine eigentliche Schwäche lag darin, dass er die Hoffnung
hegte, der sogenannte liberale Westen würde seine Gegner an der
Durchführung ihrer Pläne hindern. Er vertraute mehr auf den Westen
als auf das erwachende Bewußtsein der dortigen Bevölkerung, die die
Macht und die Informationen hatte, um das auszulösen, was er sich
als Zionist nicht erlauben konnte und auch nicht wagte.

Ganz im Gegenteil, trotz seiner Skrupel und Gewissensbisse arbeitete
er schließlich und endlich doch mit seinen Gegenern zusammen und
mit denen in der Sicherheitsabteilung, die gegen ihn konspirierten,
und half bei der Schaffung und Verbreitung von bewußt entstellten
Versionen von Ereignissen.

In einer historischen Perspektive zeigt das Selbstportrait Sharetts
auch, warum es keinen sogenannten moderaten zionistschen Vorschlag
geben kann, und warum jeder Versuch, den Zionismus von innerhalb zu
liberalisieren, und es gab wiederholt solche Versuche, zum Scheitern
verurteilt war. Den letzten drei Jahrzehnten liegt eine klare, deut-
liche und stimmige Logik zugrunde. In den frühen Fünfzigern wurden
die Grundlagen für die Errichtung eines Staates geschaffen, der
besessen war von der Idee des heiligen Terrors gegenüber den um-
liegenden arabischen Gesellschaften, und an der Schwelle zu den
Achtzigern wird genau dieser Staat zum ersten Mal angeprangert von
seinen eigenen Intellektuellen als ein Staat, der zutiefst im Sumpf
des Faschismus versunken ist.

Dies mag der Grund dafür sein, dass westliche Journalisten,
Wissenschaftler und Analytiker durch das folgende Dokument
sehr in Verlegenheit gebracht werden. Diese Kommentatoren
bestehen nämlich weiterhin auf der moralischen Verpflichtung
des Westens gegenüber dem, was sie weiterhin hartnäckig als
Israels Sicherheit mystifizieren. In diesem Sinne zerstört
Sharetts Tagebuch möglicherweise die zionistische Propaganda
in demselben Maße wie dies die Pentagon-Papiere taten hin-
sichtlich des US-Einmarsches in Vietnam.

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Vergeltung für Krieg
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Am 11. Oktober 1953 notierte der damalige Außenminister und
zukünftige Premierminister in seinem Tagebuch, dass er Ben
Zvi, den Staatspräsidenten getroffen habe.

Ben Zvi sprach wie gewöhnlich einige interessante Fragen an...
wie etwa, ob wir eine Chance haben, den Sinai zu besetzen und wie
wunderbar es doch wäre, wenn die Ägypter angreifen würden, so dass
wir sie schlagen könnten und anschließend in dieses Wüstengebiet
vordringen könnten. Er war sehr enttäuscht, als ich ihm sagte, dass
die Ägypter allem Anschein nach uns in dieser Hinsicht in keinster
Weise durch eine Provokation ihrerseits entgegenkommen würden.
(11.10.1953, 27)

Am folgenden Tag informierte Ben Gurion Sharett darüber, dass Pinhas
Lavon, ein überzeugter Anhänger der Politik der Vergeltung, sein
Nachfolger für das Amt des Verteidigungsministers sei, und dass er
beabsichtige, Moshe Dayan zum Stabschef zu ernennen.

Ich sagte sofort, dass Moshe Dayan nur zu Kriegszeiten ein Soldat
sei, aber in Zeiten des Friedens sei er durchaus ein Politiker.
Seine Ernenneung stand für die "Politisierung" des Stabsquartiers.
Die ungeheurliche Fähigkeit des neuen Stabschefs zu Intrigen und
Komplotten wird zu vielen Schwierigkeiten führen. Ben Gurion gab
zu, dass dies wahr sei und fügte sogar noch hinzu, dass Dayan
selbst sich so definiere, um sich so als ungeeignet für dieses Amt
zu präsentieren., aber das macht nichts, es ist gut so. Ich ging
mit einem unguten Gefühl. (ibid, 29)

Sharett hatte zu dieser Zeit den Eindruck, dass das internationale
Klima für Israel eher ungünstig war: Die USA hatten gerade
beschlossen, an Syrien und den Irak Waffen zu liefern und auch
Ägypten nach Unterzeichnung des Suez-Kanal-Abkommens militärische
Hilfe zukommen zu lassen. Darüberhinaus führte die permanente
Mißachtung von UNO-Bestimmungen seitens Israels hinsichtlich der
Umleitung des Jordans und der Erfüllung des Johnston-Planes zu
wachsender Bestürzung im Westen. Der Westen hatte die Hoffnung
gehegt, dass ein Abkommen über die Verteilung der Wasserressourcen
aus dem Jordan zwischen Israel und den arabischen Staaten abge-
schlossen werden könnte. Dieses Abkommen könnte ihrer Meinung
nach, wenn es zustandekommen würde und erfüllt werden würde, ein
Eckstein für ein weiteres Abkommen werden, das die wachsenden
nationalistischen antiwestlichen Tendenzen in dieser Region wieder
eindämmen könnte. Nach Aussagen des UN-Hauptbeobachters, des
dänischen Generals Wagen Berike, "haben die Israels daran gearbeitet,
arabisches Land zu gewinnen und arbeiten nach wie vor daran. Wir
(die Israelis) verändern das Gebiet strategisch." (15. 10. 1955)
Dies ist, so Sharett in seinem Tagebuch, eine Schandtat:

Ich fragte mehrmals nach und jedesmal wurde mir versichert, dass
kein arabisches Land angerührt worden war. Nachdem Berike mir
gesagt hatte, dass bewiesen ist, dass unsere Arbeiten auf arabischem
Gebiet begonnen worden sind, fragte ich wieder Amir (Leiter der
Abteilung für Wasserwirtschaft), der nun zugab, dass dies stimmte.
So also haben sie es geschafft, dass ich plötzlich vor der ganzen
Welt als Lügner dastand. (31.10.1955, 32)

Sharett befürchtete, dass ein Übermaß an Gewalt seitens Israels
zu diesem Zeitpunkt eine Krise mit dem Westen auslösen könnte und
versuchte, die Landnahmeaktion von Kibya zu blockieren, die von
Ben Gurion noch am Vorabend seines Urlaubs, der seinem formalen
Rücktritt voranging, angeordnet worden war. Er wies darauf hin,
dass selbst der kleine Grenzzwischenfall, der als Vorwand gedient
hatte für den geplanten Angriff auf ein Dorf in der West Bank,
gerade erst von Jordanien öffentlich scharf kritisiert worden war,
und dass den jordanischen Vertretern in der gemischten Waffen-
stillstandskommission gerade erst zugesichert worden war, dass sich
solche Vorfälle nicht wiederholen würden.

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Moshe Sharetts Biographie
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Moshe Sharett (Shertok) wurde 1894 in Harsson, Russland geboren.
1906 emigrierte die Familie nach Palästina. Sein Vater war ein
glühender Anhänger des Zionismus. Die Familie ließ sich in dem
arabischen Dorf Ein Sinya in der Nähe von Nablus nieder. Später
werden Moshe und seine vier Geschwister die zwei Jahre, die
sie dort verbracht haben als die glücklichste Zeit ihres Lebens
beschreiben, eine Zeit, in der sie Arabisch gelernt haben, mit
den anderen Kindern des Dorfes zusammen gespielt haben, und
faszinierende Geschichten von den Dorfältesten gehört haben.
1908 zog die Familie nach Tel Aviv.

Im 1. Weltkrieg war Moshe Sharett Soldat der osmanischen Armee
und diente vornehmlich in Syrien. Nach dem Krieg, als Palästina
britisches Mandat wurde, studierte er an der London School of
Economics und trat der zionistischen Labourbewegung bei. Er war
eines der Gründungsmitglieder der Mapai (Arbeiterpartei von Eretz
Israel) und wurde Chefredakteur der Davar, der Tageszeitung der
Histadrut, der israelischen Gewerkschaft. Später wurde er zum
Stellvertreter von Haim Arlosorov ernannt, dem Leiter der poli-
tischen Abteilung der Jewish Agency, und nach dessen Tod sein
Nachfolger. Der Vorsitzende der Jewish Agency zu dieser Zeit war
David Ben Gurion. Aussagen von Moshe Sharett zufolge lagen die
Ursachen für die Streitigkeiten zwischen Ben Gurion und ihm, die
die enge Zusammenarbeit beider Männer an der Führungsspitze der
zionistischen Bewegung und des Staates Israel über die nächsten
25 Jahre hin prägen sollten, darin, dass Ben Gurion Sharett ver-
dächtigte, Chaim Weizmann ergeben zu sein, dem Präsidenten der
World Zionist Organization. In den 40er Jahren beschuldigte Ben
Gurion Sharett zu Unrecht, mit Weizmann zusammenzuarbeiten, um
unter Vermittlung der USA ein Abkommen mit dem Emir Faisal von
Saudi-Arabien auszuhandeln. Sharett hingegen behauptete, er habe
dazu beigetragen, dass diese Verhandlungen gescheitert seien.
Doch nach den Ausführungen von Nahum Goldmann war Sharett auch
1947-48 an Verhandlungen, die durch die Vermittlung des US-Außen-
ministers George Marshall zustandegekommen waren, beteiligt. Ziel
dieser Verhandlungen sollte es sein, eine politische Lösung für
die Anwesenheit der Zionisten in Palästina zu finden, möglicher-
weise unter Schaffung einer Konföderation des Nahen Ostens unter
Einbeziehung der Zionisten. Der wichtigste Verhandlungspartner auf
arabischer Seite war der ägyptische Außenminister Nukrashi Pasha.
Diese Verhandlungen, von denen man sich die Vermeidung von Kriegs-
handlungen erhoffte, hätten es mit sich gebracht, dass sich der
Termin für die Ausrufung des Staates Israels um ein paar Wochen
verschoben hätte. Ben Gurion sprach sich gegen diese Verhandlungen
aus, lehnte eine Verschiebung des Staatsgründungstermins ab und
beschuldigte Sharett, gegen die Gründung des Staates zu sein. Dies
war natürlich eine Anschuldugung, die Sharett vehement zurückwies.
Im Grunde lagen die Ursachen für den Streit zwischen Ben Gurion
und Sharett, der dauerte, bis Sharett im Juni 1956 aus der Regierung
ausgebootet wurde, darin, dass Ben Gurion lieber mit Waffengewalt
seine Ziele erreichen wollte, während Sharett eher über diploma-
tischem Wege seine Ziele erreichen wollte. Moshe Sharett starb 1965
in Tel Aviv. Das Tagebuch, das er von Oktober 1953 bis November 1956
führte, gibt Zeugnis ab von den letzten Jahren seiner politischen
Tätigkeit als israelischer Außenminister, einschließlich der beiden
Jahre, als er Ben Gurion als Premierminister abgelöst hatte. Die
letzten Einträge ins Tagebuch betreffen die Entlarvung eines seiner
früheren Mitarbeiter, den er für einen nahestehenden persönlichen
und politischen Freund gehalten hatte, als einen der Verschwörer
gegen ihn. Das Tagebuch enthält sowohl Privates als auch Anmerkungen
zu wichtigen politischen Ereignissen. Die persönliche Art des
Tagebuchs wie auch die wichtige Position, die Sharett innehatte,
stellen eine außergewöhnliche Garantie für die Glaubwürdigkeit
dar. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Sharetts Sohn und seine
Familie sehr stark unter Druck gesetzt wurden, damit sie von der
Veröffentlichung des Tagebuchs absehen, oder es zumindest nur
in zensierter Form veröffentlichen. Doch Sharetts Sohn Ya'acov
entschied sich, die gesamten Aufzeichnungen zu veröffentlichen.

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Angaben über die Rokach-Studie aus der Curtiss-Rezension
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Moshe Sharett, Israels erster Außenminister und Israels zweiter
Premier Minister, hielt in einem Tagebuch mit größter Genauigkeit
all seine Frustration fest über die Entschlosssenheit Ben Gurions,
dem ersten Premierminister Israels, der seine Ziele mit Mitteln
der Gewalt erreichte, und über die unglaubliche Fähigkeit zu
Intrigen und Machenschaften Moshe Dayans, dem Schützling Ben
Gurions. Vieles, was im Tagebuch steht, betrifft die Zeit von
1954 - 1955. Während dieser Zeit betrieb Ben Gurion eine Politik
der Vergeltung, wie er sie nannte. Moshe Sharett hingegen sah in
dieser Politik mehr eine konstante Provokation mit dem Ziel, einen
neuen Krieg vorzubereiten, bei dem Israel sein Territorium ver-
größern könnte.

Das Tagebuch von Moshe Sharett wurde zunächst von seinem Sohn auf
Hebräisch herausgegeben. Als Livia Rokach, die Tochter von Israel
Rokach, dem Innenminister unter Sharett, Auszüge davon übersetzte
und diese in ihr Buch einfügen wollte, drohte das israelische
Außenministerium den Verlegern, der Vereinigung arabisch-ameri-
kanischer Universitätsabgänger (Association of Arab American
University Graduates) mit einer Klage, sollte das Buch ohne die
Erlaubnis von Sharetts Sohn veröffentlicht werden. Die AAUG
veröffentlichte das Buch trotzdem und die Jerusalemer Politiker,
so Uri Avnery, "dachten sich wohl, daß ein Gerichtsverfahren
gegen die Verbreitung eines Büchleins ein Fehler wäre, da man
dadurch nur noch mehr Werbung für das Büchlein machen würde."

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Book Review
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Israel's Sacred Terrorism: A Study Based on Moshe Sharett's Personal
Diary and Other Documents

By Livia Rokach. Belmont, Massachusetts: Association of Arab American
University Graduates, 1980. 73 pp. $4.50 (paper).

Reviewed by Richard H. Curtiss

March 18, 1985, Page 11

Most Israelis observe a conspiracy of silence by which certain
subjects widely discussed in the Hebrew press are seldom aired
in English-language media. One Israeli who dared to break that
code of silence, however, is the late Livia Rokach, daughter
of Israel Rokach, Minister of the Interior in the government of
Moshe Sharett.

Sharett, a moderate who was Israel's first foreign minister and
second prime minister, kept a diary in which he meticulously
recorded his frustration at the determination of Israel's first
prime minister, David Ben Gurion, to achieve his goals by force,
and at the "immense capacity for plotting and intrigue-making of
Moshe Dayan," Ben Gurion's political protege. Much of the diary
concerns the 1954-55 period during which Ben Gurion had yielded
the premiership to Sharett, but still sought to set Israeli policy,
first from his retreat at Kibbutz Sdeh Boker, and subsequently as
Defense Minister under Sharett. Throughout this time, Ben Gurion
carried out a policy he described as "retaliation," but which
Sharett saw as one of regular provocations designed to bring about
a new war in which Israel could seize more territory from the
Arabs in Gaza, the West Bank, Sinai, Syria and Lebanon.

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Avneri: "Rokach Did Clean Work"
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Sharett's diary was edited by his son and published in Hebrew only.
When Pis. Rokach translated excerpts from it to insert into her
book about this crucial period. and its tragic results, the Israeli
Foreign Ministry threatened her publisher, the Association of Arab
American University Graduates, with legal action if they published
it without the permission of Sharett's son. The AAUG went ahead with
publication and, in the words of Israeli Knesset member Uri Avneri,
"the Jerusalem politicians decided that pursuing a legal course in
stopping the dissemination of the booklet would be a mistake of the
first order, since this would give it much more publicity."

We have the word of Avneri, whose vocal opposition to Israeli
war policies in the 70s and 80s in many ways parallels the silent
opposition of Sharett in the 50s and 60s, that "Livia Rokach did
clean work. All her quotations are real. She did not ever take
them out of context, nor did she quote them in a way that contradicts
the intention of the diary writer."

Through 1954 entries in Sharett's diary we watch the planting of
seeds that led to Lebanon's bloody civil war and to the creation
under renegade Major Saad Haddad of an Israeli-cont rolled Maronite
enclave along Israel's northern border. Sharett attributes the idea
to Ben Gurion:

"This is the time, he (Ben Gurion) said, to push Lebanon, that is,
the Maronites in that country, to proclaim a Christian State..."

The tactics, Sharett writes, were Dayan's:

"According to him (Dayan), the only thing that's necessary is to
find an officer, even just a major. We should either win his heart
or buy him with money, to make him agree to declare himself the
savior of the Maronite population. Then the Israeli army will enter
Lebanon, will occupy the necessary territory, and will create a
Christian regime which will ally itself with Israel. The territory
from the Litani southward will be totally annexed to Israel..."

We see secret raids in 1955 into Arab territory:

"Ben Gurion reported to the cabinet ... how our four youngsters
(Israeli paratrooper reservists) captured the Beduin boys one by
one, how they took them to the wadi, how they knifed them to death
one after the other... When I arrived in Tel Aviv an officer...
came to tell me that the whole revenge operation was organized with
the active help of Arik Sharon, the commander of the paratroopers
battalion."

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The Story of the Lavon Affair
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The diary records the Lavon affair, in which Israeli provocateurs
exploded bombs in U.S. cultural centers and diplomatic establishments
in Cairo and Alexandria in 1954 after being told "to break the West's
confidence in the existing (Nasser) regime... The actions should
cause arrests, demonstrations and expressions of revenge. The Israeli
origins should be totally covered."

When the provocateurs...young Egyptian-born Jews trained in Israel
and returned to their homeland...were caught and tried, Sharett
publicly denied Israeli complicity and accused the Egyptians of
"vicious hostility to... the Jewish people."

In private, however, Sharett deplored "the unleashing of the basest
instincts of hate and revenge... I walk around ... horror-stricken
and lost, completely helpless... What should I do?"

What Sharett should have done is now tragically clear. As Israeli
Prime Minister, had he stood up in the Knesset and denounced
Israel's actions aimed at provoking another Arab-Israeli war,
the bloodshed of 1956, 1967, 1970, 1973 and 1982 might have been
averted, and the greatest bloodletting of all...the Lebanese civil
war...almost certainly would not have occurred.

He did not, and today we see an Israel where Ariel Sharon
impatiently awaits his call to direct the next chapter in
a tragic history...perhaps a Masada for the Jews, or an
Armageddon for us all.

Richard H. Curtiss is a retired foreign service officer and
executive director of the American Educational Trust.

http://www.steinbergrecherche.com/liviarokach.htm

http://www.palaestina-stimme.de/index.html http://www.pchrgaza.org/
http://www.arabmail.de/deutsch.html http://www.palaestinaonline.de/
http://www.alaqsaintifada.org/ http://www.palestinemonitor.org/
http://mitglied.lycos.de/palestine2000/pages/start.php
http://www.electronicintifada.net/new.html http://www.watzal.com/
http://www.freunde-palaestinas.de/ http://www.intifada.com/
http://www.ipc-ps.info/ http://www.lawsociety.org/
http://www.friedenjetzt.ch/ http://www.palis-tine.com/
http://mitglied.lycos.de/alburaq/index.php http://www.addameer.org/
>>>-----------------------------------------------------------------<<<
>> Further Informations about Iraq and Palestine:
>> GIV-Archiv: http://www.giv-archiv.de http://www.giv-seiten.de.tt
>> http://home.arcor.de/ge.lange/index.html http://giv-seiten.de
>> http://home.arcor.de/ge.lange/Menue/www.giv.de.cx/index.html
>> http://home.arcor.de/ge.lange/Menue/www.irak.de.cx/index.html
>> http://home.arcor.de/ge.lange/Menue/www.giv-archiv.de/index.html
>> http://soziales.freepage.de/irak/index.htm
>>>-----------------------------------------------------------------<<<

* * * * *




Palaestina/Israel: Israels heiliger Terror

von G.Lange » Dienstag, 25. Mai 2004




Der wahre David
Israel 1947 - 1956

Thomas Immanuel Steinberg

Der David, den wir aus dem Kindergottesdient kennen, war ein listiges
Kerlchen. Der wahre David, wie ihn die Bibel beschreibt, konnte nicht
nur mit der Steinschleuder umgehen. Er hatte sich als Bären- und
Löwentöter erprobt. Nach der Erschlagung des Philisters Goliath und
der Vernichtung seiner Stammesbrüder sangen die Frauen im Reigen und
sprachen: Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend. Von
den Geschuritern, Girsitern und Amalekitern ließ er weder Mann noch
Frau leben. Seine Männer erschlugen anschließend von Benjamin und
den Männern Abners dreihundertundsechzig Mann. David schlug auch die
Moabiter und ließ sie sich auf den Boden legen und maß sie mit der
Meßschnur ab. Er maß zwei Schnurlängen ab, so viele tötete er, und
eine volle Schnurlänge, so viele ließ er am Leben. David schlug von
den Aramäern zweiundzwanzigtausend Mann. Er schlug die Edomiter im
Salztal, achtzehntausend Mann. Denn der Herr half David, wo er auch
hinzog. Die Aramäer flohen vor Israel, und David vernichtete von
den Aramäern vierzigtausend Mann; und Schobach, den Feldhauptmann,
erschlug er, daß er dort starb. Mindestens 90.000 Menschen hat David
vernichtet, so die überschlägige Rechnung von Hannes Müller, Berlin.

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Israel und David Ben Gurion bis 1956
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Den kleinen David Israel aus dem Gemeinschaftskundeunterrricht, der
sich des Riesen Arabien bei Strafe seines Untergangs habe erwehren
müssen, gab es ebensowenig wie den David aus dem Kindergottesdienst.
Israel ähnelte von 1947 an weit eher dem biblischen David. Das hat
Moshe Sharett bezeugt. Moshe Sharett war unter David Ben Gurion
Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency, die die Gründung
des Staates Israel vorbeitete, von 1948 bis Juni 1956 (kurz vor der
Nationalisierung des Suez-Kanals durch Nasser) israelischer Außen-
minister unter Ben Gurion und von 1954 bis 1955 zugleich Premiermi-
nister. In seine Amtszeiten fielen

die Resolution 181 der Vereinten Nationen über die
Teilung Palästinas 1947

die Unabhängigkeitserklärung Israels 1948

der israelisch-arabische Krieg und die ethnischen Säuberungen
in den von Israel eroberten Gebieten, genannt Naqba,1948,
darunter die Besetzung des palästinensischen Dorfes Duelma

die Waffenstillstandsvereinbarung von 1949

die Staatspräsidentschaft von Chaim Weizman (1949 bis 1952)

der Beginn der Präsidentschaft von Isaak Ben Zwi 1952

das Beistandsabkommen der USA mit Israel 1952

die Ernennung Moshe Dayans zum Stabschef der israelischen
Steitkräfte 1953

die von israelischen Militärflugzeugen erzwungene Landung
eines syrischen Verkehrsflugzeuges in Israel 1954

die Verurteilung dreizehn israelischer Bombenleger in Ägypten
1954

der israelische Angriff auf den Gaza-Steifen im Februar 1955

das Massaker des Fallschirmjägerbataillons unter Ariel Sharons
Kommando an Beduinenjungen 1955

die Gefangennahme von fünf israelischen Spionen in Syrien 1955

der Beginn der Suez-Krise 1956.

Moshe Sharett starb 1965.

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Sharetts Tagebuch und Livia Rokachs Studie
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Sharett hat ein hebräisches Tagebuch geführt, aus dem sein Sohn
Yaqov Sharett 1979 politisch wichtige Eintragungen veröffentlichte.
Dem Tagebuch zufolge betrieben David Ben Gurion und seine Kabinette,
Sharett eingeschlossen, systematisch die Expansion Israels auf
Kosten aller seiner Nachbarstaaten. Die eingesetzten Mittel miß-
fielen Moshe Sharett, darunter Massaker, die Flugzeugentführung,
die Einschleusung von Attentätern, die Vortäuschung von Bluttaten
der Gegner mit einkalkulierten israelischen Opfern und der Plan
zur Errichtung eines Maronitenstaates im Südlibanon. Doch Sharett
begehrte nie auf.

1980 veröffentlichte Livia Rokach, die Tochter des Innenministers
unter Sharett, Israel Rokach, auf Englisch eine politische Studie
mit Auszügen aus den Tagebüchern Moshe Sharetts und weiteren
Dokumenten. Das Buch zeichnet von den politischen Zielen und
Methoden des frühen Staates Israel ein Bild des Grauens. Unter
dem Deckmantel der Vergeltung für gegnerische Taten trieb Israel
seine Expansion mithilfe blutiger Provokationen voran. Rokach
schreibt in ihrer Einleitung über Sharett:

"Er erkannte sehr klar, dass die Logik hinter Israels Sicherheits-
doktrin nichts anderes als Faschismus war und sah ganz richtig die
daraus resultierende moralische Korruption im Innern und die zu-
nehmende Gewalt auf regionaler Ebene voraus."

Die Autorin schließt: "In den frühen Fünfzigern wurden die Grundlagen
für die Errichtung eines Staates geschaffen, der besessen war von
der Idee des heiligen Terrors gegenüber den umliegenden arabischen
Gesellschaften, und an der Schwelle zu den Achtzigern wird genau
dieser Staat zum ersten Mal angeprangert von seinen eigenen
Intellektuellen als ein Staat, der zutiefst im Sumpf des Faschismus
versunken ist.

Dies mag der Grund dafür sein, dass westliche Journalisten,
Wissenschaftler und Analytiker durch das folgende Dokument sehr in
Verlegenheit gebracht werden. Diese Kommentatoren bestehen nämlich
weiterhin auf der moralischen Verpflichtung des Westens gegenüber
dem, was sie weiterhin hartnäckig als Israels Sicherheit mystifi-
zieren. In diesem Sinne zerstört Sharetts Tagebuch möglicherweise
die zionistische Propaganda in demselben Maße wie dies die Pentagon-
Papiere taten hinsichtlich des US-Einmarsches in Vietnam."

Nichts dergleichen ist geschehen. Rokach starb vor 1985. Doch ihr
Buch ist zugänglich, jedenfalls in der elektronischen englischen
Fassung.

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Das hebräische Tagebuch:
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Moshe Sharett: Yoman Ishi (Personal Diary). Herausgegeben
von Yaqov Sharett. Tel Aviv: Ma'a 1979

Englische Originalausgabe der Rokach-Studie:

Livia Rokach: Israel's Sacred Terrorism: A Study Based on Moshe
Sharett's Personal Diary and Other Documents. Belmont, Massachusetts:
Association of Arab American University Graduates, 1980. 73 pp.
Third Edition 1986. [Library of Congress Cataloging in Publication
Data Rokach, Livia. lsrael's sacred terrorism. (AAUG information
paper series: no. 23) ISBN 0-937694-70-3] Über amazon.de gebraucht
erhältlich für Ç 64, Stand: 18. Mai 2004

Der vollständige englische Text mit allen Vorworten, Anhängen und
Anmerkungen steht hier.
http://www.chss.montclair.edu/english/furr/essays/rokach.html
#CHAPTER%201:%20Moshe%20Sharett%20and%20His%20Personal%20Diary

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Deutsche Übersetzung der Studie:
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Livia Rokach: Israels heiliger Terror. Eine Studie auf Basis von
Moshe Sharetts persönlichem Tagebuch und anderen Dokumenten seiner
Zeit. Mit einer Einführung von Noam Chomsky. Aus dem Englischen
übersetzt von Gerd Albartus. Pfungstadt: Minotaurus Projekt, 1982.
Das Buch ist vergriffen, der Verlag besteht wohl nicht mehr.
Gebraucht war das Buch vor dem 18. Mai 2004 bei amazon.de erhält-
lich für Ç 10,49. Der Übersetzer Gerd Albartus war Mitglied der
Revolutionären Zellen und wurde im Dezember 1987 ermordet, siehe
http://www.freilassung.de/div/texte/rz/zorn/Zorn04.htm

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Englische Rezension der Studie:
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Eine Rezension von Richard H. Curtiss erschien 1985 . Sie ist hier
gespiegelt. Sie liest sich wie ein Menetekel.

Die folgenden Auszüge aus der Studie, Moshe Sharetts Biographie
und die Angaben über das Buch aus der Curtiss-Rezension hat die
Kritische Stimme ins Deutsche übersetzt. Die Übersetzungen wurde
für diese Internetseite leicht redigiert.

Den Hinweis auf die Rokach-Studie verdanke ich Werner Krämer vom
Prenzlauer Berg.

T:I:S, 19. Mai 2004

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Auszüge aus der Rokach-Studie
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Einleitung

Die allgemeine Unterstützung Israels während des letzten Viertel-
jahrhunderts basiert auf einigen Mythen, von denen sich der Mythos
von Israels Sicherheit am hartnäckigsten hält. Dieser Mythos, der
eine permanente existenzielle Bedrohung der jüdischen Bevölkerung
in Palästina unterstellt, ist sorgfältig gepflegt worden, um große
Summen für die militärische und wirtschaftliche Unterstützung Israels
lockerzumachen. Israels Sicherheit ist das offizielle Argument,
mit dem nicht nur Israel sondern auch die USA dem palästinensischen
Volk in seinem eigenen Land das Recht auf Selbstbestimmung verwehren.
Während der letzten Jahrzehnte ist dieses Argument als legitime
Rechtfertigung für Israels Verletzung internationaler Bestimmungen
akzeptiert worden. Während der letzten 13 Jahre wurde immer das
Argument der Sicherheit angeführt, um die Besetzung der arabischen
und palästinensischen Gebiete fortzuführen. Das Argument Sicherheit
ist immer noch der Vorwand für die großangelegten Massaker an der
Zivilbevölkerung im Libanon, für die Enteignung von arabischem Land,
für die Errichtung jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten,
für Deportationen und für willkürliche Inhaftierung von politischen
Gefangenen. Obwohl die Sicherheit der arabischen Bevölkerung in der
gesamten Region über die Jahre hinweg wiederholt bedroht war durch
offene oder versteckte Kriegshandlungen, terroristische Aktionen und
Unterwanderungspläne, und obwohl UNO-Resolutionen eine Festsetzung
von sicheren Grenzen für alle Staaten in dieser Region fordern,
stand allein die Sicherheit Israels im Blickpunkt der internationalen
Diskussion.

Die Hartnäckigkeit, mit der sich der Mythos von Israels Sicherheit
hält, zeigt, dass die Vorstellung, die Araber wollten den jüdischen
Staat eliminieren, weit verbreitet ist. Die Mehrheit der angesehen
westlichen Autoren, die diese Idee verbreiten, stützen sich dabei
auf die zionistische Darstellung der Ereignisse Ende der 40er Jahre,
als der Staat Israel gegründet wurde, und der 50er Jahre, als Nasser
an die Macht kam. Dabei wird Israels sogenannter Überlebenskampf
als moralisches Thema dargestellt. Die Medien präsentieren dabei oft
Politiker, die eigentlich aus ganz anderen Gründen Israel politisch
und militärisch unterstützen, mit dem Argument, "der Westen sei
Israel verpflichtet."

Andere Darstellungen der Fakten werden meistens unter den Tisch
gekehrt. So wurden die vor kurzem veröffentlichten Enthüllungen
von Nahum Goldmann (Le Monde Diplomatique, August 1979) praktisch
nicht zur Notiz genommen. Goldmann, der mehr als 30 Jahre lang
der Vorsitzende des pro-zionistischen jüdischen Weltkongresses
war, argumentiert, dass die Araber nicht befragt wurden zur
Teilung Palästinas im Jahre 1947, und dass ihre Bereitschaft,
einen politischen Kompromiß auszuhandeln, der möglicherweise den
Krieg von 1948 verhindert hätte, von Ben Gurion noch vor Mai 1948
per Veto abgelehnt und somit untergraben worden war.

Das kürzlich veröffentliche Tagebuch von Moshe Sharett (Yoman Ishi,
Tel Aviv, 1979) trägt einen wesentlichen Teil zur Entmystifizierung
von Israels Sicherheitsmythos und Israels Sicherheitspolitik bei.
Zwischen 1933 und 1948 leitete Moshe Sharett die Auslandsbeziehungen
der zionistischen Bewegung. Er war Leiter der politischen Abteilung
der Jewish Agency und Außenminister Israels von 1948 bis 1956. 1954
und 1955 war er sogar Premierminister. Die folgenden Seiten aus
seinem Tagebuch zeigen folgendes:

1. Die politische und militärische Führung Israels glaubte niemals
ernsthaft an eine Bedrohung Israels durch die Araber. Im Gegenteil,
sie tat alles, um das Dilemma, in dem sich die arabischen Regierungen
nach 1948 befanden, zu verschlimmern. Die arabischen Regierungen
waren einer militärischen Konfrontation mit Israel sehr abgeneigt,
doch mussten sie, um überleben zu können, ihrer Bevölkerung und den
vertriebenen Palästinensern in ihren Ländern irgendeine Reaktion auf
Israels aggressive Politik und andauernde Gewalt bieten. Mit anderen
Worten, die arabische Bedrohung war eine israelische Erfindung, die
die arabischen Regierungen aus inneren und inter-arabischen Gründen
nicht völlig verneinen konnten, obwohl sie in ständiger Angst waren
vor einem neuerlichen israelischen Angriff.

2. Die politische und militärische Führung Israels wollte die
arabischen Staaten in militärische Konfrontationen zwingen, da
sie annahm, dabei immer zu gewinnen. Ziel dieser Konfrontationen
war es, das Kräfteverhältnis in dieser Region radikal zu verändern
und den zionistischen Staat zur größten Macht im Nahen Osten zu
machen.

3. Um diese Ziele zu verwirklichen, wurden folgende Strategien
angewandt:

* Größere und kleinere Militäraktionen gegenüber der Zivilbe-
völkerung entlang der Waffenstillstandsgrenze, insbesondere
in den palästinensischen Gebieten der West Bank und im Gaza-
streifen, die damals unter jordanischer bzw. ägyptischer
Kontrolle waren. Diese Aktionen dienten zwei Zwecken: sie
sollten einerseits die Bevölkerung terrorisieren und anderer-
seits eine dauerhafte Destabilisierung herbeiführen, aufbauend
auf den schon vorhandenen Spannungen zwischen den arabischen
Regierungen und den Bevölkerungen, die sich durch sie nicht aus-
reichend gegen die israelische Aggression geschützt fühlten.

* Militäroperationen gegen arabische Militäreinrichtungen in den
Grenzgebieten, um die Moral der Armee zu untergraben und somit
zur Destabilisierung der Regimes über die Militärstrukturen
beizutragen

* Verdeckte terroristische Operationen mitten in der arabischen
Welt, sowohl zum Zwecke der Spionage als auch um Angst,
Spannungen und Instabilität zu schaffen.

4. Die Ziele, die durch diese Strategien erreicht werden sollten,
waren folgende:

* neue Gebietsgewinne durch Kriege. Obwohl Israel in dem
Waffenstillstandsabkommen von 1949/50 ein Gebiet zugesprochen
wurde, das um ein Drittel größer war als ursprünglich im UN-
Teilungsplan vorgesehen, war die israelische Führung nicht
zufrieden mit der Größe des Staates und den Grenzen, die sie
nach eigenen Angaben zu respektieren beabsichtigte. Ihr Bestreben
war es, zumindest das Gebiet des britischen Mandates Palästina
an sich zu bringen. Das Territorium wurde als ein lebenswichtiger
Faktor bei der Wandlung Israels in eine regionale Macht angesehen.

* Politische wie auch militärische Versuche, alle arabischen und
palästinensischen Forderungen nach Palästina zu unterbinden
durch die Vertreibung der palästinensischen Flüchtlinge im Krieg
von 1947-48, ganz weit weg in andere Teile der arabischen Welt
oder andere Länder.

* Subversive Operationen, die dazu bestimmt waren, Zwietracht
innerhalb der arabischen Welt zu säen, die nationalarabische
Bewegung niederzuwerfen und Marionettenregierungen zu schaffen,
die der israelischen Macht in der Region nicht gefährlich
werden würden.

Die Fakten, die das Tagebuch von Moshe Sharett zu den oben erwähnten
Punkten liefert, stellen eine ganze Reihe von wichtigen Interpreta-
tionen, die noch immer als historische Wahrheiten gehandelt werden,
in Frage. So zum Beispiel diese:

1. Bis heute gibt die Mehrheit der Wissenschaftler und Analytiker
die Verstaatlichung des Suez-Kanals als den Hauptgrund für den
Oktoberkrieg von 1956 an. So wird allgemein angenommen, dass die
geplanten Angriffe der Briten und Franzosen gegen Ägypten für
Israel die Gelegenheit boten, endlich mit den Übergriffen der
Fedayin entlang der Waffenstillstandsgrenze Schluß zu machen
und mit dem Nasserregime abzurechnen, dem man die Schuld für die
Übergriffe zuschrieb.

Doch was Sharett uns nun mitteilt in seinem Tagebuch ist, dass ein
größerer Krieg gegen Ägypten für den Frühherbst 1953 geplant war,
mit dem Ziel, den Gazastreifen und den Sinai zu erobern, also ein
Jahr bevor Nasser Neguib abgelöst hatte und bevor er seine Führung
gefestigt hatte. Man hatte sich darauf geeinigt, dass die inter-
nationalen Bedingungen für solch einen Krieg wohl innerhalb der
nächsten drei Jahren gegeben sein würden. Der israelische Angriff
auf Gaza im Februar 1955 war ein bewußt vorgenommener erster
Schritt hin zum Krieg. Ein paar Monate später traf die Regierung
die Entscheidung, den Gazastreifen zu erobern. Diese Entscheidung
stieß bei dem damaligen Außenminister (Moshe Sharett) auf heftigen
Widerstand, woraufhin seine politische Liquidierung durch die
Befürworter des Krieges, allen voran Ben Gurion, beschlossen wurde.
Hätte sich nicht der dreifache Angriff auf Ägypten abgezeichnet,
hätte Israel Ägypten im Alleingang, ganz so wie geplant, angegriffen.

2. Die Besetzung der West Bank und des Gazastreifens durch Israel
im Jahre 1967 wird allgemeinhin als ein Akt der Verteidigung Israels
gegenüber arabischen Drohungen dargestellt. Das Tagebuch Sharetts
hingegen liefert den eindeutigen Beweis dafür, dass die Besetzung
des Gazastreifens und der West Bank von Israel schon seit Anfang der
50er Jahre geplant wurde. Amerikanische Zionisten wurden über diese
Pläne 1954 informiert. 1955 wurden jüdische und arabische Menschen-
leben geopfert in einer Reihe von provokanten Anschlägen, die nur
verübt wurden, um einen Vorwand zu liefern für die Besetzung des
jordanischen Territoriums. Hauptursache für die Verschiebung der
Besetzung dieses Gebietes war die britische Präsenz in Jordanien,
die den haschemitischen König stützte.

3. Die permanente und gewaltvolle israelische Agression im Libanon
wird immer noch schamlos mit israelischen Sicherheitsinteressen
begründet. Insbesondere die israelischen Regierungssprecher, die
in den westlichen Medien ein devotes Sprachrohr fanden, versuchten
die massive Einmischung Israels im Libanon mit folgenden historischen
Argumenten zu erklären:

* in einem Kampf zwischen Muslimen und Christen, ein Konflikt,
der auch ohne äußere Einmischung ausgebrochen wäre, beschränkte
sich die Rolle Israels darauf, den Christen zu helfen.

* die Anwesenheit von palästiensischen Widerstandsgruppen, oder,
in israelischer Terminologie, von palästinensischen Terroristen,
machte die Einmischung Israels in die inneren Angelegenheiten
dieses Landes notwendig.

Sharetts Tagebuch hingegen liefert eine vollständige Dokumentation
über den diabolischen Plan Ben Gurions von 1954, den Libanon zu
"christianisieren", d.h. man überlegte sich zunächst, wie man
zunächst einmal einen inneren Konflikt im Libanon auslösen könnte.
Diese Idee mündete dann fünfzehn Jahre später in einen Plan, den
Libanon zu teilen und zu unterwerfen, lange bevor die palästinen-
sische Präsenz im Libanon zu einem politischen Faktor wurde.

Der Gebrauch von Terror und Gewalt mit dem Ziel, arabische Gegen-
gewalt zu erzeugen, die dann als die arabische Bedrohung für die
Existenz Israels hingestellt wurde, wurde von der damaligen "Nummer
2" des zionistischen Staates folgendermaßen erklärt:

"Ich habe lange nachgedacht über die vielen künstlichen Aktionen
und Gewalttaten, die wir uns ausgedacht haben und über die vielen
Zusammenstöße, die wir provoziert haben und die uns so viel Blut
gekostet haben, und über die Verletzungen von Recht und Gesetz
durch unsere Leute, all das hat zu schwerwiegenden Katastrophen
geführt, hat den gesamten Lauf der Ereignisse bestimmt und zu
unserer Sicherheitskrise beigetragen."

Eine Woche vorher erklärte Moshe Dayan, damals Stabschef, warum
Israel jegliche Grenzsicherungen, die von den benachbarten arabischen
Staaten oder von der UNO vorgeschlagen wurden, wie auch Vorschläge
der USA hinsichtlich formeller Sicherheitsgarantien, ablehnen mußte.
Solche Garantien, so sagte er voraus, könnten "die Hände Israels
binden." Vermutlich wären damit all die Angriffe und Einmärsche in
das Gebiet jenseits der Waffenstillstandlinie, die in den 50er Jahren
unter dem euphemistischen Namen Wiedergewinnungsmaßnahmen getätigt
wurden, nicht mehr zu rechtfertigen gewesen oder gar unmöglich
gemacht worden. Diese Maßnahmen, so Dayan,

"sind unsere zentrale Blutbahn. Sie ...helfen uns dabei,
innerhalb unserer Bevölkerung und unserer Armee eine
Spannung zu erhalten, damit wir immer junge Männer zu
unserer Verfügung haben, die bereit sind, in den Negev
zu gehen, wenn wir schreien, dass der Negev in Gefahr
ist." (26. Mai 1955)

Die Schaffung einer Belagerungsmentalität innerhalb der israelischen
Gesellschaft war notwendig, um den erfundenen Mythos von der
arabischen Bedrohung zu vervollkommnen. Beide Elemente sollten sich
dabei ergänzen. Obwohl die israelische Gesellschaft mit der starken
Einwanderung von Juden aus Asien und Nordafrika in die vom Staat
angeblich gepriesene homogene Gesellschaft sich dem ernstzunehmenden
Risiko einer sozialen und kulturellen Zersetzung ausgesetzt sah,
lag der tiefere Sinn der Belagerungsmentalität weniger darin, die
jüdische Gesellschaft in Israel gegen den gemeinsamen Feind als
Verteidigungsgemeinschaft zusammenzuschweißen. Vielmehr setzte man
darauf, die "moralischen Schranken" abzubauen, damit die Gesellschaft
eine Politik voll unterstützt, die im völligen Gegensatz stand zu
dem kollektiven ethischen Code, auf dem die allgemeine Erziehung
gründete und aus dem die Gesellschaft, so wurde angenommen, ihre
Lebenskraft bezog. Natürlich war dieser Code auch schon in der Ver-
gangenheit nicht immer respektiert worden. Gewalt und Terrorismus
waren schon von den frühen Zionisten ausgeübt worden, vor und während
des Krieges von 1947-48. Die folgende Aussage eines Soldaten, der
an der Besetzung des palästinensischen Dorfes Duelma 1948 beteiligt
war, ist nur ein Beweis von vielen, der erst kürzlich offengelegt
worden ist:

"Es wurden zwischen 80 und 100 Araber, Frauen und Kinder
getötet. Um die Kinder zu töten, schlug man ihnen die
Köpfe mit Stöcken entzwei. Es gab kein Haus ohne Toten.
Die Männer und Frauen der Dörfer wurden in Häuser gesperrt
ohne Wasser und Essen. Dann kamen die Saboteure, um die
Häuser zu sprengen. Ein Kommandant befahl einem Soldaten,
zwei Frauen in das Haus zu bringen, das er sprengen
wollte. ... Ein anderer Soldat brüstete sich damit, eine
arabische Frau zuerst vergewaltigt zu haben, bevor er
sie erschossen hatte. Eine andere arabische Frau mit
ihrem neugeborenen Baby mußte dann den Platz säubern für
ein paar Tage, und dann wurde auch sie zusammen mit ihrem
Baby erschossen. Gebildete und guterzogenen Männer, die
von allen als "gute Kerle".. betrachtet wurden, wurden zu
Mördern, und das nicht mitten in einer Schlacht, sondern
über die Strategie der Vertreibung und Ausrottung. Je
weniger Araber übrig blieben, desto besser." (Davar, 9.
Juni 1979)

Doch das Wissen um diese Ereignisse sickerte nicht durch in die
Gesellschaft. Ganz im Gegenteil, der Unabhängigkeitskrieg wurde
ritualisiert und zu einem wundersamen Sieg des (jüdischen)
Rechts über (arabische) Macht. Deir Yassin wurde von der
regierenden Labor-Partei (zu Unrecht) als ein einmaliger, ja
selbst verwerflicher Vorfall dargestellt und die Brutalität
der zahlenmäßig unbedeutenden Irgun-Gruppe dafür verantwortlich
gemacht. Bücher, Schulbücher, Geschichtsbücher, Anthologien und
die Medien rühmten ganz unbekümmert die moralische Qualität des
Krieges, die "Reinheit der Waffen", die von der Armee benutzt
wurden, und das jüdische Ethos, das dem Staat zugrunde lag.

Die Politik der Sicherheits- oder Wiedergewinnungsmaßnahmen der 50er
Jahre stellten daher in diesem Sinne einen qualitativen Fortschritt
dar. Die Strategien, die von der israelischen Führung selbst ent-
wickelt wurden, standen in völligem Widerspruch zu den regionalen
Gegebenheiten und vor allem zu internationalen Standards, zu deren
Einhaltung Israel sich ja formal verpflichtet hatte. Daher mußte
der Rückhalt innerhalb des Landes bedingungslos sein, d.h. auf
einer rein gefühlsmäßigen, ja fast instinktiven Ebene, ohne jegliche
Konzessionen an Vernunft und ohne moralische Zwänge. Ein strate-
gisches Ziel wie die Umwandlung Israels in eine regionale Macht
setzte notwendigerweise den Gebrauch von großangelegter, offener
Gewalt voraus und konnte nicht, noch nicht einmal im Mythos,
erreicht werden auf der Grundlage einer früheren moralischen Doktrin,
die deshalb ersetzt werden mußte durch eine neue. "Terrorismus und
Rache" wurden nun als die Schlagwörter der neuen "moralischen ...ja
sogar geheiligten" Werte der israelischen Gesellschaft gepriesen. Der
aufbrechende Militarismus benötigte nicht länger den idealistischen,
sozialistischen Anstrich einer Paimach, das neue militärische Symbol
war nun die Einheit 101, angeführt von Arik Sharon (Ariel Sharon).

Der Prozess dieser mehr kulturellen als politischen Wandlung verlief
nicht automatisch. In Wirklichkeit, so wie Dayan in dem oben ange-
führten Zitat zugibt, mußte viel Angst geschürt werden, um diese
Wandlung zu fördern. Dabei mußten sogar die Leben jüdischer Menschen
geopfert werden, um Provokationen herbeizuführen, die wiederum
anschließende Landgewinnungsmaßnahmen rechtfertigten, inbesondere
zu den Zeiten, als es den arabischen Regierungen gelang, die Wut
der drangsalierten und aufgebrachten Menschen, die in den arabischen
Grenzgebieten lebten, zu kontrollieren. Die israelische Bevölkerung
wurde täglich mit einer von Zensoren kontrollierten Propaganda
zugedröhnt, bei der über Bildmaterial die Monstrosität des Feindes
dargestellt wurde. Andere Bilder zeigten, dass ausgehandelte Sicher-
heitsabkommen mit dem Feind nur als fataler Beweis für Israels
Schwäche interpretiert werden konnten.

Als Abschluß dieses Prozesses sah Sharett die Wahl Menachem Begins
zum Premierminister 1977. Sharetts zionistische Perspektive basierte
auf einer politischen und diplomatischen Alternative zur Strategie
des Terrors von Ben Gurion und seinen Anhängern. Dadurch, so glaubte
er, könnte die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina
unterstützt werden und der Staat in der Zukunft vielleicht wachsen,
ohne dass die umliegenden arabischen Staaten allzu große Konzessionen
machen müßten. Sharett glaubte, dass seine Ziele erreicht werden
könnten, ohne den Westen deswegen in Schwierigkeiten zu bringen.
Er glaubte sogar, dass die israelischen Pläne mit denen des Westens
abgestimmt werden könnten. Er erkannte sehr klar, dass die Logik
hinter Israels Sicherheitsdoktrin nichts anderes als Faschismus war
und sah ganz richtig die daraus resultierende moralische Korruption
im Innern und die zunehmende Gewalt auf regionaler Ebene voraus. Er
war dagegen und war wohl auch das prominenteste Opfer dieser Doktrin.
Seine Niederlage jedoch war unvermeidbar, denn seine Mißbilligung
war mehr quantitativer als qualitativer Art und richtete sich mehr
gegen die Methoden als gegen die Inhalte; gegen die Anzahl der Opfer
einer bestimmten Militäraktion z.B. und nur ganz vage gegen die
Ideologie, die hinter diesen Aktionen stand. Grundsätzlich war er
in seinem unerschütterlichen Glauben an den Zionismus von dieser
Strategie gleichermaßen fasziniert wie angewidert, so wie er
gleichermaßen gierig war auf ihre direkten Erfolge, wie er besorgt
war über die langfristigen Konsequenzen und die internationalen
Reaktionen auf den Zionismus und Israel.

Seinen Widerstand konnte die politisch-militärische Führung Israels
nicht länger hinnehmen, wollte sie ihre megalomanischen und krimi-
nellen Pläne durchführen. Seine Ausschaltung wurde daher zwingend
notwendig. Seine eigentliche Schwäche lag darin, dass er die Hoffnung
hegte, der sogenannte liberale Westen würde seine Gegner an der
Durchführung ihrer Pläne hindern. Er vertraute mehr auf den Westen
als auf das erwachende Bewußtsein der dortigen Bevölkerung, die die
Macht und die Informationen hatte, um das auszulösen, was er sich
als Zionist nicht erlauben konnte und auch nicht wagte.

Ganz im Gegenteil, trotz seiner Skrupel und Gewissensbisse arbeitete
er schließlich und endlich doch mit seinen Gegenern zusammen und
mit denen in der Sicherheitsabteilung, die gegen ihn konspirierten,
und half bei der Schaffung und Verbreitung von bewußt entstellten
Versionen von Ereignissen.

In einer historischen Perspektive zeigt das Selbstportrait Sharetts
auch, warum es keinen sogenannten moderaten zionistschen Vorschlag
geben kann, und warum jeder Versuch, den Zionismus von innerhalb zu
liberalisieren, und es gab wiederholt solche Versuche, zum Scheitern
verurteilt war. Den letzten drei Jahrzehnten liegt eine klare, deut-
liche und stimmige Logik zugrunde. In den frühen Fünfzigern wurden
die Grundlagen für die Errichtung eines Staates geschaffen, der
besessen war von der Idee des heiligen Terrors gegenüber den um-
liegenden arabischen Gesellschaften, und an der Schwelle zu den
Achtzigern wird genau dieser Staat zum ersten Mal angeprangert von
seinen eigenen Intellektuellen als ein Staat, der zutiefst im Sumpf
des Faschismus versunken ist.

Dies mag der Grund dafür sein, dass westliche Journalisten,
Wissenschaftler und Analytiker durch das folgende Dokument
sehr in Verlegenheit gebracht werden. Diese Kommentatoren
bestehen nämlich weiterhin auf der moralischen Verpflichtung
des Westens gegenüber dem, was sie weiterhin hartnäckig als
Israels Sicherheit mystifizieren. In diesem Sinne zerstört
Sharetts Tagebuch möglicherweise die zionistische Propaganda
in demselben Maße wie dies die Pentagon-Papiere taten hin-
sichtlich des US-Einmarsches in Vietnam.

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Vergeltung für Krieg
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Am 11. Oktober 1953 notierte der damalige Außenminister und
zukünftige Premierminister in seinem Tagebuch, dass er Ben
Zvi, den Staatspräsidenten getroffen habe.

Ben Zvi sprach wie gewöhnlich einige interessante Fragen an...
wie etwa, ob wir eine Chance haben, den Sinai zu besetzen und wie
wunderbar es doch wäre, wenn die Ägypter angreifen würden, so dass
wir sie schlagen könnten und anschließend in dieses Wüstengebiet
vordringen könnten. Er war sehr enttäuscht, als ich ihm sagte, dass
die Ägypter allem Anschein nach uns in dieser Hinsicht in keinster
Weise durch eine Provokation ihrerseits entgegenkommen würden.
(11.10.1953, 27)

Am folgenden Tag informierte Ben Gurion Sharett darüber, dass Pinhas
Lavon, ein überzeugter Anhänger der Politik der Vergeltung, sein
Nachfolger für das Amt des Verteidigungsministers sei, und dass er
beabsichtige, Moshe Dayan zum Stabschef zu ernennen.

Ich sagte sofort, dass Moshe Dayan nur zu Kriegszeiten ein Soldat
sei, aber in Zeiten des Friedens sei er durchaus ein Politiker.
Seine Ernenneung stand für die "Politisierung" des Stabsquartiers.
Die ungeheurliche Fähigkeit des neuen Stabschefs zu Intrigen und
Komplotten wird zu vielen Schwierigkeiten führen. Ben Gurion gab
zu, dass dies wahr sei und fügte sogar noch hinzu, dass Dayan
selbst sich so definiere, um sich so als ungeeignet für dieses Amt
zu präsentieren., aber das macht nichts, es ist gut so. Ich ging
mit einem unguten Gefühl. (ibid, 29)

Sharett hatte zu dieser Zeit den Eindruck, dass das internationale
Klima für Israel eher ungünstig war: Die USA hatten gerade
beschlossen, an Syrien und den Irak Waffen zu liefern und auch
Ägypten nach Unterzeichnung des Suez-Kanal-Abkommens militärische
Hilfe zukommen zu lassen. Darüberhinaus führte die permanente
Mißachtung von UNO-Bestimmungen seitens Israels hinsichtlich der
Umleitung des Jordans und der Erfüllung des Johnston-Planes zu
wachsender Bestürzung im Westen. Der Westen hatte die Hoffnung
gehegt, dass ein Abkommen über die Verteilung der Wasserressourcen
aus dem Jordan zwischen Israel und den arabischen Staaten abge-
schlossen werden könnte. Dieses Abkommen könnte ihrer Meinung
nach, wenn es zustandekommen würde und erfüllt werden würde, ein
Eckstein für ein weiteres Abkommen werden, das die wachsenden
nationalistischen antiwestlichen Tendenzen in dieser Region wieder
eindämmen könnte. Nach Aussagen des UN-Hauptbeobachters, des
dänischen Generals Wagen Berike, "haben die Israels daran gearbeitet,
arabisches Land zu gewinnen und arbeiten nach wie vor daran. Wir
(die Israelis) verändern das Gebiet strategisch." (15. 10. 1955)
Dies ist, so Sharett in seinem Tagebuch, eine Schandtat:

Ich fragte mehrmals nach und jedesmal wurde mir versichert, dass
kein arabisches Land angerührt worden war. Nachdem Berike mir
gesagt hatte, dass bewiesen ist, dass unsere Arbeiten auf arabischem
Gebiet begonnen worden sind, fragte ich wieder Amir (Leiter der
Abteilung für Wasserwirtschaft), der nun zugab, dass dies stimmte.
So also haben sie es geschafft, dass ich plötzlich vor der ganzen
Welt als Lügner dastand. (31.10.1955, 32)

Sharett befürchtete, dass ein Übermaß an Gewalt seitens Israels
zu diesem Zeitpunkt eine Krise mit dem Westen auslösen könnte und
versuchte, die Landnahmeaktion von Kibya zu blockieren, die von
Ben Gurion noch am Vorabend seines Urlaubs, der seinem formalen
Rücktritt voranging, angeordnet worden war. Er wies darauf hin,
dass selbst der kleine Grenzzwischenfall, der als Vorwand gedient
hatte für den geplanten Angriff auf ein Dorf in der West Bank,
gerade erst von Jordanien öffentlich scharf kritisiert worden war,
und dass den jordanischen Vertretern in der gemischten Waffen-
stillstandskommission gerade erst zugesichert worden war, dass sich
solche Vorfälle nicht wiederholen würden.

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Moshe Sharetts Biographie
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Moshe Sharett (Shertok) wurde 1894 in Harsson, Russland geboren.
1906 emigrierte die Familie nach Palästina. Sein Vater war ein
glühender Anhänger des Zionismus. Die Familie ließ sich in dem
arabischen Dorf Ein Sinya in der Nähe von Nablus nieder. Später
werden Moshe und seine vier Geschwister die zwei Jahre, die
sie dort verbracht haben als die glücklichste Zeit ihres Lebens
beschreiben, eine Zeit, in der sie Arabisch gelernt haben, mit
den anderen Kindern des Dorfes zusammen gespielt haben, und
faszinierende Geschichten von den Dorfältesten gehört haben.
1908 zog die Familie nach Tel Aviv.

Im 1. Weltkrieg war Moshe Sharett Soldat der osmanischen Armee
und diente vornehmlich in Syrien. Nach dem Krieg, als Palästina
britisches Mandat wurde, studierte er an der London School of
Economics und trat der zionistischen Labourbewegung bei. Er war
eines der Gründungsmitglieder der Mapai (Arbeiterpartei von Eretz
Israel) und wurde Chefredakteur der Davar, der Tageszeitung der
Histadrut, der israelischen Gewerkschaft. Später wurde er zum
Stellvertreter von Haim Arlosorov ernannt, dem Leiter der poli-
tischen Abteilung der Jewish Agency, und nach dessen Tod sein
Nachfolger. Der Vorsitzende der Jewish Agency zu dieser Zeit war
David Ben Gurion. Aussagen von Moshe Sharett zufolge lagen die
Ursachen für die Streitigkeiten zwischen Ben Gurion und ihm, die
die enge Zusammenarbeit beider Männer an der Führungsspitze der
zionistischen Bewegung und des Staates Israel über die nächsten
25 Jahre hin prägen sollten, darin, dass Ben Gurion Sharett ver-
dächtigte, Chaim Weizmann ergeben zu sein, dem Präsidenten der
World Zionist Organization. In den 40er Jahren beschuldigte Ben
Gurion Sharett zu Unrecht, mit Weizmann zusammenzuarbeiten, um
unter Vermittlung der USA ein Abkommen mit dem Emir Faisal von
Saudi-Arabien auszuhandeln. Sharett hingegen behauptete, er habe
dazu beigetragen, dass diese Verhandlungen gescheitert seien.
Doch nach den Ausführungen von Nahum Goldmann war Sharett auch
1947-48 an Verhandlungen, die durch die Vermittlung des US-Außen-
ministers George Marshall zustandegekommen waren, beteiligt. Ziel
dieser Verhandlungen sollte es sein, eine politische Lösung für
die Anwesenheit der Zionisten in Palästina zu finden, möglicher-
weise unter Schaffung einer Konföderation des Nahen Ostens unter
Einbeziehung der Zionisten. Der wichtigste Verhandlungspartner auf
arabischer Seite war der ägyptische Außenminister Nukrashi Pasha.
Diese Verhandlungen, von denen man sich die Vermeidung von Kriegs-
handlungen erhoffte, hätten es mit sich gebracht, dass sich der
Termin für die Ausrufung des Staates Israels um ein paar Wochen
verschoben hätte. Ben Gurion sprach sich gegen diese Verhandlungen
aus, lehnte eine Verschiebung des Staatsgründungstermins ab und
beschuldigte Sharett, gegen die Gründung des Staates zu sein. Dies
war natürlich eine Anschuldugung, die Sharett vehement zurückwies.
Im Grunde lagen die Ursachen für den Streit zwischen Ben Gurion
und Sharett, der dauerte, bis Sharett im Juni 1956 aus der Regierung
ausgebootet wurde, darin, dass Ben Gurion lieber mit Waffengewalt
seine Ziele erreichen wollte, während Sharett eher über diploma-
tischem Wege seine Ziele erreichen wollte. Moshe Sharett starb 1965
in Tel Aviv. Das Tagebuch, das er von Oktober 1953 bis November 1956
führte, gibt Zeugnis ab von den letzten Jahren seiner politischen
Tätigkeit als israelischer Außenminister, einschließlich der beiden
Jahre, als er Ben Gurion als Premierminister abgelöst hatte. Die
letzten Einträge ins Tagebuch betreffen die Entlarvung eines seiner
früheren Mitarbeiter, den er für einen nahestehenden persönlichen
und politischen Freund gehalten hatte, als einen der Verschwörer
gegen ihn. Das Tagebuch enthält sowohl Privates als auch Anmerkungen
zu wichtigen politischen Ereignissen. Die persönliche Art des
Tagebuchs wie auch die wichtige Position, die Sharett innehatte,
stellen eine außergewöhnliche Garantie für die Glaubwürdigkeit
dar. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Sharetts Sohn und seine
Familie sehr stark unter Druck gesetzt wurden, damit sie von der
Veröffentlichung des Tagebuchs absehen, oder es zumindest nur
in zensierter Form veröffentlichen. Doch Sharetts Sohn Ya'acov
entschied sich, die gesamten Aufzeichnungen zu veröffentlichen.

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Angaben über die Rokach-Studie aus der Curtiss-Rezension
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Moshe Sharett, Israels erster Außenminister und Israels zweiter
Premier Minister, hielt in einem Tagebuch mit größter Genauigkeit
all seine Frustration fest über die Entschlosssenheit Ben Gurions,
dem ersten Premierminister Israels, der seine Ziele mit Mitteln
der Gewalt erreichte, und über die unglaubliche Fähigkeit zu
Intrigen und Machenschaften Moshe Dayans, dem Schützling Ben
Gurions. Vieles, was im Tagebuch steht, betrifft die Zeit von
1954 - 1955. Während dieser Zeit betrieb Ben Gurion eine Politik
der Vergeltung, wie er sie nannte. Moshe Sharett hingegen sah in
dieser Politik mehr eine konstante Provokation mit dem Ziel, einen
neuen Krieg vorzubereiten, bei dem Israel sein Territorium ver-
größern könnte.

Das Tagebuch von Moshe Sharett wurde zunächst von seinem Sohn auf
Hebräisch herausgegeben. Als Livia Rokach, die Tochter von Israel
Rokach, dem Innenminister unter Sharett, Auszüge davon übersetzte
und diese in ihr Buch einfügen wollte, drohte das israelische
Außenministerium den Verlegern, der Vereinigung arabisch-ameri-
kanischer Universitätsabgänger (Association of Arab American
University Graduates) mit einer Klage, sollte das Buch ohne die
Erlaubnis von Sharetts Sohn veröffentlicht werden. Die AAUG
veröffentlichte das Buch trotzdem und die Jerusalemer Politiker,
so Uri Avnery, "dachten sich wohl, daß ein Gerichtsverfahren
gegen die Verbreitung eines Büchleins ein Fehler wäre, da man
dadurch nur noch mehr Werbung für das Büchlein machen würde."

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Book Review
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Israel's Sacred Terrorism: A Study Based on Moshe Sharett's Personal
Diary and Other Documents

By Livia Rokach. Belmont, Massachusetts: Association of Arab American
University Graduates, 1980. 73 pp. $4.50 (paper).

Reviewed by Richard H. Curtiss

March 18, 1985, Page 11

Most Israelis observe a conspiracy of silence by which certain
subjects widely discussed in the Hebrew press are seldom aired
in English-language media. One Israeli who dared to break that
code of silence, however, is the late Livia Rokach, daughter
of Israel Rokach, Minister of the Interior in the government of
Moshe Sharett.

Sharett, a moderate who was Israel's first foreign minister and
second prime minister, kept a diary in which he meticulously
recorded his frustration at the determination of Israel's first
prime minister, David Ben Gurion, to achieve his goals by force,
and at the "immense capacity for plotting and intrigue-making of
Moshe Dayan," Ben Gurion's political protege. Much of the diary
concerns the 1954-55 period during which Ben Gurion had yielded
the premiership to Sharett, but still sought to set Israeli policy,
first from his retreat at Kibbutz Sdeh Boker, and subsequently as
Defense Minister under Sharett. Throughout this time, Ben Gurion
carried out a policy he described as "retaliation," but which
Sharett saw as one of regular provocations designed to bring about
a new war in which Israel could seize more territory from the
Arabs in Gaza, the West Bank, Sinai, Syria and Lebanon.

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Avneri: "Rokach Did Clean Work"
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Sharett's diary was edited by his son and published in Hebrew only.
When Pis. Rokach translated excerpts from it to insert into her
book about this crucial period. and its tragic results, the Israeli
Foreign Ministry threatened her publisher, the Association of Arab
American University Graduates, with legal action if they published
it without the permission of Sharett's son. The AAUG went ahead with
publication and, in the words of Israeli Knesset member Uri Avneri,
"the Jerusalem politicians decided that pursuing a legal course in
stopping the dissemination of the booklet would be a mistake of the
first order, since this would give it much more publicity."

We have the word of Avneri, whose vocal opposition to Israeli
war policies in the 70s and 80s in many ways parallels the silent
opposition of Sharett in the 50s and 60s, that "Livia Rokach did
clean work. All her quotations are real. She did not ever take
them out of context, nor did she quote them in a way that contradicts
the intention of the diary writer."

Through 1954 entries in Sharett's diary we watch the planting of
seeds that led to Lebanon's bloody civil war and to the creation
under renegade Major Saad Haddad of an Israeli-cont rolled Maronite
enclave along Israel's northern border. Sharett attributes the idea
to Ben Gurion:

"This is the time, he (Ben Gurion) said, to push Lebanon, that is,
the Maronites in that country, to proclaim a Christian State..."

The tactics, Sharett writes, were Dayan's:

"According to him (Dayan), the only thing that's necessary is to
find an officer, even just a major. We should either win his heart
or buy him with money, to make him agree to declare himself the
savior of the Maronite population. Then the Israeli army will enter
Lebanon, will occupy the necessary territory, and will create a
Christian regime which will ally itself with Israel. The territory
from the Litani southward will be totally annexed to Israel..."

We see secret raids in 1955 into Arab territory:

"Ben Gurion reported to the cabinet ... how our four youngsters
(Israeli paratrooper reservists) captured the Beduin boys one by
one, how they took them to the wadi, how they knifed them to death
one after the other... When I arrived in Tel Aviv an officer...
came to tell me that the whole revenge operation was organized with
the active help of Arik Sharon, the commander of the paratroopers
battalion."

-----------------------------
The Story of the Lavon Affair
-----------------------------

The diary records the Lavon affair, in which Israeli provocateurs
exploded bombs in U.S. cultural centers and diplomatic establishments
in Cairo and Alexandria in 1954 after being told "to break the West's
confidence in the existing (Nasser) regime... The actions should
cause arrests, demonstrations and expressions of revenge. The Israeli
origins should be totally covered."

When the provocateurs...young Egyptian-born Jews trained in Israel
and returned to their homeland...were caught and tried, Sharett
publicly denied Israeli complicity and accused the Egyptians of
"vicious hostility to... the Jewish people."

In private, however, Sharett deplored "the unleashing of the basest
instincts of hate and revenge... I walk around ... horror-stricken
and lost, completely helpless... What should I do?"

What Sharett should have done is now tragically clear. As Israeli
Prime Minister, had he stood up in the Knesset and denounced
Israel's actions aimed at provoking another Arab-Israeli war,
the bloodshed of 1956, 1967, 1970, 1973 and 1982 might have been
averted, and the greatest bloodletting of all...the Lebanese civil
war...almost certainly would not have occurred.

He did not, and today we see an Israel where Ariel Sharon
impatiently awaits his call to direct the next chapter in
a tragic history...perhaps a Masada for the Jews, or an
Armageddon for us all.

Richard H. Curtiss is a retired foreign service officer and
executive director of the American Educational Trust.

http://www.steinbergrecherche.com/liviarokach.htm

http://www.palaestina-stimme.de/index.html http ://www.pchrgaza.org/
http://www.arabmail.de/deutsch.html http ://www.palaestinaonline.de/
http://www.alaqsaintifada.org/ http ://www.palestinemonitor.org/
http://mitglied.lycos.de/palestine2000/pages/start.php
http://www.electronicintifada.net/new.html http ://www.watzal.com/
http://www.freunde-palaestinas.de/ http ://www.intifada.com/
http://www.ipc-ps.info/ http ://www.lawsociety.org/
http://www.friedenjetzt.ch/ http ://www.palis-tine.com/
http://mitglied.lycos.de/alburaq/index.php http ://www.addameer.org/
>>>-----------------------------------------------------------------<<<
>> Further Informations about Iraq and Palestine:
>> GIV-Archiv: http://www.giv-archiv.de http://www.giv-seiten.de.tt
>> http://home.arcor.de/ge.lange/index.html http ://giv-seiten.de
>> http://home.arcor.de/ge.lange/Menue/www.giv.de.cx/index.html
>> http://home.arcor.de/ge.lange/Menue/www.irak.de.cx/index.html
>> http://home.arcor.de/ge.lange/Menue/www.giv-archiv.de/index.html
>> http://soziales.freepage.de/irak/index.htm
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* * * * *






Re: Palaestina/Israel: Israels heiliger Terror

von volker.greulich » Dienstag, 25. Mai 2004







Frage: War es nicht die Vollversammlung der UN die diese Resolution
verabschiedete?

In letzter Zeit gab es einige Beschlüsse der UNO- Vollversammlung, die
aber -so Israel- keine bindende seien.

Wer erklärt mir das bitte?

V.G.
--

Protestiert gegen das sinnlose 100 %ige Kastrationsgebot für Hunde in
einigen deutschen Tierheimen.-Tierheimkunden sind keine unmündigen
Trottel.Hunde haben ein Anrecht auf körperliche Unversehrtheit-auch
wenn sie durch Tierheime oder den WDR vermittelt werden.



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