Umerziehung und Verdummung in Deutschland

von rolf decker » Mittwoch, 17. November 2004



Die Folgen jahrzehntelanger Wertezersetzung für Familie und Bonum commune

von dipl. Psych. Sonja van Biezen und Dr. phil. Elisabeth Nussbaumer

In allen Kulturen der Welt sind Ehe und Familie - oft auch Grossfamilie
- der Ort, an dem die nachwachsende Generation geschützt heranwachsen
kann und in die Kultur eingeführt wird. In der Familie aufzuwachsen
bedeutet aber viel mehr: Zusammen zu erleben, dass Schwierigkeiten
gemeinsam zu meistern sind und dadurch tiefgreifende Erlebnisse im
menschlichen Zusammenleben zu machen.

Die Familie ist die Keimzelle einer auf Freiheit, Gerechtigkeit,
Verantwortung und gegenseitiger Mitmenschlichkeit beruhenden
Gesellschaft. Sie bietet dem Säugling, Kleinkind und Heranwachsenden den
Ort, an dem er sich in Geborgenheit, Sicherheit und unter fürsorgender
Anleitung von Vater und Mutter, gemeinsam mit den Geschwistern,
Mitmensch und innerlich gefestigte Persönlichkeit werden kann. Im
Schosse der Familie entwickelt das Kind seine erste Bindung zum anderen
Menschen. Soziale Bindung an emotional präsente Erwachsene ist die
Grundlage für eine gesunde seelische Entwicklung. Diese erste Beziehung
bedeutet für den weiteren Verlauf des Lebens die Bindung an die
menschliche Gemeinschaft. Ist diese Bindung von einer grundsätzlich
bejahenden Grundstimmung, von Verlässlichkeit und Dauerhaftigkeit
geprägt, wird das Kind später als gefestigter, verlässlicher und mutiger
Mitmensch im Leben stehen. Als Eltern haben Vater und Mutter die schöne
und anspruchsvolle Aufgabe, ihre Kinder durch Vorbild und gleichwertige,
liebevolle Gestaltung des ehelichen und familiären Zusammenlebens an
ihre spätere Aufgabe als Frau und Mann und als verantwortungsbewusste
Bürger heranzuführen. Neben der Pflicht, die Familienmitglieder mit den
notwendigsten Gütern zu versorgen, obliegt der Lebensgemeinschaft der
Familie die vornehme Aufgabe, den Durst ihrer Mitglieder nach geistigem
Austausch, nach Bildung, Geselligkeit und Gastfreundschaft, nach den
vielfältigen Facetten menschlichen Zusammenlebens zu stillen.

Der Naturrechtsphilosoph Johannes Messner schreibt folgendes:
«Familienkultur drückt sich äusserlich aus in den Formen des Umgangs der
Familienmitglieder miteinander, in ihrer gegenseitigen Hilfsbereitschaft
im täglichen Leben, in der Selbstlosigkeit ihrer Liebe zueinander,
überhaupt in all dem, was man als ”die Kinderstube” bezeichnet, die den
Menschen unverlierbar durch das Leben begleitet.»01 Eine starke Stütze
findet die Familienkultur in der Orientierung an den der menschlichen
Natur innewohnenden ethischen Werten, die in Sitte und Brauchtum zum
Ausdruck kommen. Eine gefestigte Familienkultur bildet den Kern für die
Gestaltung des Zusammenlebens einer grösseren Gemeinschaft, einer
Gemeinde, eines Staates in Freiheit und Würde.

Als gesetzlich verankerter Grundpfeiler des gemeinschaftlichen
Zusammenlebens geniessen Familie und Ehe entsprechend ihrer Bedeutung
besonderen Schutz. In der Familie werden die Errungenschaften unserer
freien demokratischen Gesellschaft sowie ihre bewährten Traditionen an
die neue Generation weitergegeben. Darüber hinaus hat der Halt in der
Familie unzähligen Menschen über Jahrhunderte hinweg über schwere
Schicksalsschläge sowie Entwurzelung durch Kriege und andere
gesellschaftliche Missstände hinweggeholfen.

Seit einigen Jahrzehnten sind nun die Familie und ihre Träger
Angriffsziel für radikale gesellschaftliche Veränderungen geworden. Um
das Ausmass der Zersetzung der traditionellen Familie und die Auswirkung
auf das Gefühlsleben von Frauen, Männern und Kindern zu verstehen, muss
die Geschichte der letzten Jahrzehnte beleuchtet werden.

Krieg und seine Folgen

Durch die Zäsur der beiden Weltkriege wurden familiäre Bande für
Generationen schwersten Zerreissproben ausgesetzt. Ein normales, gar
ruhiges Familienleben war für unzählige Menschen während vieler Jahre
unmöglich geworden. Kriegsdienst und Gefangenschaft der Männer sowie
Vergewaltigung, Verschleppung oder Evakuierung von Frauen und Kindern
und die Flucht vor dem Feind oder Sieger verstreute unzählige Familien
über das ganze Land und über die Landesgrenzen hinaus. (Nebenbei sei
bemerkt, dass diese Tatsache auch für die heute geführten Kriege gilt.)
Beim Zusammenbruch aller Orientierungsmöglichkeiten während des Krieges
und nach Kriegsende blieb aber die Familie der rettende Anker und Kern
der sozialen Beziehungen. Bei Kriegsende wirkte die Familie wie ein
Magnet. Viele Menschen suchten nach ihren Familienangehörigen voller
Erwartungen und Hoffnungen auf Geborgenheit, Liebe und ein Stück Normalität.

Es vergingen jedoch manchmal Jahre, bis die einzelnen Familienmitglieder
von einander Nachricht erhielten. 1956 kamen die letzten deutschen
Soldaten aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. «Der angegriffene
Gesundheitszustand der Männer wurde zu einer Belastung für die ganze
Familie. Bis sie überhaupt wieder zu körperlichen Kräften kamen, mussten
sie monatelang gepflegt werden.»02 «Dauerte die Genesung sehr lange,
hatten die Männer oft seelische Probleme. Die Erniedrigungen und
Strapazen der Gefangenschaft, der Verlust des Selbstbewusstseins durch
den verlorenen Krieg und die lange Krankheit, verbunden mit körperlicher
Schwäche»03 hinterliessen ihre seelischen Spuren. Die Frauen hatten sich
verändert. Sie waren selbständiger und aktiver geworden. Die Männer
mussten erkennen, dass die Frauen einen grossen Teil des Chaos der End-
und Nachkriegszeit bewältigt hatten. Auch «die Kinder hatten während der
Abwesenheit der Väter Verhaltensweisen erlernen müssen, die eher in
Richtung Eigenständigkeit, Kooperation und Verantwortung gingen.»04
Schöner und besser ist es immer, wenn sich das Kind am Vorbild und mit
Unterstützung und Anleitung des Vaters zu einem selbstbewussten und
eigenständig denkenden Mitbürger entwickeln kann. Leider war der
Familienalltag im Deutschland der Nachkriegszeit, wie ihn Sibylle Meyer
und Eva Schulze in ihrem Buch «Von Liebe sprach damals keiner»
schildern, sehr häufig von der Abwesenheit der Ehemänner und Väter
geprägt. Alle Beteiligten litten und leiden Jahre unter den Kriegsfolgen
und Trennungsproblemen.

Unser Anliegen ist es, aufzuzeigen, dass durch jeden Krieg seelische
Verletzungen bei allen Beteiligten entstehen, die die Menschen über ein
bis zwei Generationen hinweg in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen
begleiten.

Abwertung von Männlichkeit und väterlicher Autorität

Noch vor Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde die Frage
aufgeworfen, was mit den Deutschen geschehen sollte. In einem
anthropologisch und psychologisch unhaltbaren Kurzschluss wurden die
Kriegsverbrechen Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten allen
deutschen Menschen angelastet. Die Deutschen seien eine Fehlentwicklung
der Evolution, wurde behauptet. In gleicher rassistischer Verblendung,
wie sie die Nazis gegenüber den Juden auslebten, wurde nun vertreten,
alle Deutschen seien Herrenmenschen, Mörder aus Grausamkeit. Es gab in
den USA den von einem Amateurhistoriker 1940 verfassten Kaufmann-Plan,
der die Umerziehung, später dann die Sterilisierung des deutschen Volkes
verlangte,05 und den Morgenthau-Plan, der die Aufteilung Deutschlands in
mehrere Staaten und den Abbau der gesamten Großindustrie plante. Nicht
zuletzt aus wirtschaftlichen Überlegungen06 wurde der Morgenthau-Plan
fallengelassen. Da der Ost-West-Konflikt bereits seine Schatten
vorauswarf, überlegten sich die Alliierten rechtzeitig, dass die
deutsche Industrie noch gebraucht werden würde. Also wurde auf die
Taktik der Umerziehung zurückgegriffen. Noch während des Krieges
begannen amerikanische Offiziere der «Abteilung für psychologische
Kriegsführung» mit den Vorbereitungen zur «Umerziehung der Köpfe».
Amerikanische Sozialwissenschafter und Psychologen übernahmen die
Arbeit. «Die ganze Operation [Umerziehung der Deutschen, d. Verf.]
sollte in der Anfangsphase von Kennern der deutschen Verhältnisse
kontrolliert und überwacht werden. Darunter waren schon wegen ihrer
guten Kenntnis der deutschen Sprache und der Verhältnisse des Landes
viele ehemalige deutsche Emigranten. Ein prominentes Beispiel ist
Herbert Marcuse, der einstige Mitbegründer des Frankfurter Instituts für
Sozialforschung besser bekannt als Frankfurter Schule.»07 So bot sich
für Marcuse08 und seine Genossen Gelegenheit, die Umerziehung der
Deutschen in den Dienst der marxistischen Ideologie zu stellen: Wie die
Geschichte seit Marx und Engels zeigt, wurden stets alle Gelegenheiten
für den marxistischen Angriff auf Gesellschaft und Kultur genutzt. Mit
der Rückkehr der Vertreter der Frankfurter Schule nach Deutschland
konnte dann die «Charakterwäsche» unter der Fahne des Antifaschismus
ungehindert und noch intensiver vollzogen werden. Herbert Marcuse, Max
Horkheimer,09 Theodor W. Adorno10 und ihre Schüler leisteten
wirkungsvolle und nachhaltige Arbeit: An Stelle jeglichen
Zusammengehörigkeitsgefühls, jeder Selbstachtung der deutschen Menschen
sollte kollektive Scham treten und Generationen überdauern. Reale
Geschichte sollte nicht einfach im Sinne von Völkerrecht und
Gerechtigkeit aufgearbeitet werden, sondern die kollektive Erinnerung
wurde derart manipuliert, dass das deutsche Volk für sich selbst, seine
Sprache, seine Kultur und Sitten nur noch Abscheu und Verachtung
empfinden musste.

Dabei gingen die «Umerzieher» von der These aus, die typisch deutsche
Charakterstruktur sei autoritär und damit dem Faschismus gefährlich
nahe. Der deutsche Vater herrsche autoritär. Neben seiner Frau müsse
sich ihm auch das Kind bedingungslos unterwerfen. Daraus resultiere
insgesamt die Aggressivität und Grausamkeit des deutschen Erwachsenen.
Jedes Kind müsse die Grundwerte der deutschen Familie, nämlich
Disziplin, Ordnung, Sauberkeit und Männlichkeit, verinnerlichen.11 Diese
Sichtweise entspricht weder der Natur des Menschen noch dem deutschen
Menschen. Sie ist Resultat der Gesinnung und Taktik ihrer Schöpfer
Marcuse, Adorno und Horkheimer, die das Autoritäre überall suchten und
auch fanden - nur nicht in ihrer eigenen totalitären
freudo-marxistischen Theorie.

Die Zahl der von der Frankfurter Schule und ihren Schülern ausgebildeten
oder beeinflussten Hochschullehrer, Lehrer und Journalisten aller
Medien, die Anzahl ihrer Veröffentlichungen und Vorträge war gross und
ihr Einfluss so weitreichend, dass man, mit Gramscis Worten, von einer
kulturellen Hegemonie sprechen muss. Ihre Auswirkung dauert bis heute
an,12 denn nach dem Ende des kalten Krieges und dem Beginn der
Entspannungspolitik begann mit der 1967 einsetzenden Studentenbewegung
die weitere Verbreitung der Ideologie der Frankfurter Schule. Diese
beinhaltet eine zweite, noch nachhaltiger wirksame Welle der
Umerziehung, getragen von dem «ethischen Rigorismus der 68er».13 Es
wurde ein Gesinnungskartell geschaffen, jeder Widerstand als
faschistisch oder antikommunistisch abgeurteilt. Gegen den Mann als
Familienvater wurden Attacken geritten, die kulturell tradierten und
bewährten Werte der Familie als Keimzelle eines demokratischen Staates
der Lächerlichkeit preisgegeben und als faschistoid verunglimpft. Auf
diese Weise wurde die gesunde, normale Familie verleumdet, abgewertet,
zersetzt. Indem dem Kind ein Heranwachsen in der Geborgenheit einer
intakten und ihrer Bedeutung bewußten Familie genommen wurde, hat man es
von seinen lebenswichtigen Bindungen und von seinen geschichtlichen
Wurzeln abgeschnitten. So wurde das Ziel der Umwertung aller Werte in
weiten Bevölkerungskreisen erreicht. Die Familie, bestehend aus Mutter,
Vater, Großeltern und Kindern war der Auflösung preisgegeben. Eine neue
Form von Familie wurde geschaffen: Eine Art Kommune mit Kindern, in
welcher jeder seiner Selbstverwirklichung nachgeht. Die Familie mit
berufstätiger Mutter wurde zur weit verbreiteten Lebensform. Der auf der
marxistischen Theorie begründete Radikalfeminismus hatte den Frauen
aller Gesellschaftsschichten und aus allen Teilen der Welt den Irrtum
eingeflößt, als Ehefrau und Mutter dem Manne gegenüber benachteiligt zu
sein. Dieser vermeintlichen Ausbeutung meinte die in solcher Weise
irregeführte Frau durch Selbstverwirklichung in einer beruflichen
Karriere begegnen zu müssen.

Der radikalfeministische Kampf gegen den Mann

Wenn wir den Radikalfeminismus und seine Auswirkungen auf das
Seelenleben von Frau und Mann diskutieren, meinen wir selbstverständlich
nicht die bürgerliche Frauenbewegung und ihre berechtigen Ziele. Sie
setzte sich zu Recht für frauenspezifische Anliegen wie echte
Gleichwertigkeit von Frau und Mann, Ausbau des Arbeiterinnen- und
Mutterschutzes, die Besserstellung der unehelichen Kinder, gleiche
Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten, das kirchliche und politische
Frauenstimmrecht usw. ein. Die erwähnten Forderungen und die Anliegen
der Frauenbewegung sind aus der geschichtlichen und gesellschaftlichen
Situation Anfang des 20. Jahrhunderts heraus entstanden, waren
berechtigt und erforderten eine Lösung. Zahlreiche Errungenschaften, die
sich auf das Zusammenleben von Mann und Frau positiv ausgewirkt haben,
sind dem Einsatz und dem Engagement vieler Frauen und Männer jener Zeit
zu verdanken. Ziel war damals nicht der Kampf gegen den Mann.

Erst in den letzten Jahrzehnten floss eine neue, in ihrem Grundgehalt
andere Auffassung der Frauenrolle ein: Die Frau soll im Machtkampf gegen
den Mann die Oberhand gewinnen und behalten. Anstatt den Frauen in ihrem
Anliegen zu helfen, sich gefühlsmässig mit dem Mann gleichwertig zu
fühlen und zu einem harmonischen Zusammenleben von Mann und Frau
beizutragen, instrumentalisieren die Radikalfeministinnen die
unterschiedlichsten Gefühle, die Frauen Männern gegenüber haben können,
für ihren Kampf. Den Frauen wurde eingeredet, dass die Gleichwertigkeit
der Geschlechter nur zu erreichen sei, indem sich die Frau gegen den
Mann stellt. Der Mann wurde zum Feind erklärt. So sieht man heute
Frauen, die sich ausgesprochen stark vom traditionellen Frauenbild
distanzieren und im Kampf gegen den Mann leben.

Eine andere Form der Abgrenzung vom männlichen Geschlecht zeigt sich in
einer überbetonten Weiblichkeit, die oft mit einer bewusst gewählten
Lebensform ohne Mann einhergeht. Das «Coming out» lesbischer Frauen wird
propagiert, und Forderungen nach der Legalisierung der
gleichgeschlechtlichen Ehe sind Ausdruck davon und kamen bereits in
einigen Ländern der Welt zur Verwirklichung. Diese vermeintliche
Befreiung der Frau ist die Hauptstossrichtung für eine radikale
Veränderung des Verhältnisses der Geschlechter geworden. Die
Radikalfeministinnen gehen aber noch weiter. Dazu schreibt Maria Mies:
«Jede Person ist früher oder später gezwungen, Partei zu ergreifen. Und
Partei ergreifen heisst, dass etwas in uns selbst zerrissen wird, dass
das, was wir für unsere Identität hielten, sich zersetzt und neu
geschaffen werden muss. Dies ist ein schmerzhafter Prozess. Die meisten
Männer und Frauen versuchen, ihn zu vermeiden, weil sie Angst haben,
dass die letzte Insel des Friedens und der Harmonie in der kalten,
brutalen Welt des Geldes, der Machtspiele und der Habgier zerstört
wird.»14 Wie recht sie hatte mit ihrer menschenverachtenden Äusserung!

Wenn wir die psychischen und physischen Folgen des Zweiten Weltkriegs
auf die Hinterbliebenen und deren Söhne und Töchter in Betracht ziehen,
ist es offensichtlich, dass der Kampf der Radikalfeministinnen gegen den
Mann eine weitere seelische Verunsicherung von Frauen und Männern zur
Folge hat. Zum Verlust von Identität und Selbstwertgefühl kommt die
eigenaktive Ablehnung der traditionellen Mutter- und Vaterrolle durch
Frau und Mann hinzu. Um den ideologisch motivierten gesellschaftlichen
Veränderungen zu entsprechen, konnten sie sich mit ihrer Aufgabe als
Vater und Mutter nicht mehr identifizieren und sie auch nicht mehr
ausfüllen.

Folgen für die Familie und das Gemeinwohl

Die ständige negative Bewertung der Frauen- und Mutterrolle bewirkt eine
starke Verunsicherung vieler Frauen bezüglich des Stellenwerts von
Partnerschaft und Kindererziehung. Die gefühlsmässige Verunsicherung
kann dazu führen, dass eine Mutter sich ihren Kindern nicht mehr
wirklich zuwenden kann. Sie beginnt sich innerlich von ihrer Aufgabe zu
distanzieren. Aus dieser inneren Abkehr von der Frauen- und Mutterrolle
resultiert eine folgenschwere Störung des familiären Klimas. Dem Kind
wird eine echte Sicherheit und das volle Engagement seiner Mutter fehlen.

Die marxistische Gleichsetzung von väterlicher Autorität und männlicher
Verantwortung mit autoritärer Machtausübung über Frau und Kind
hinterlässt tiefe Spuren der Verunsicherung und Desorientierung. Durch
die zusätzlichen radikalfeministischen Attacken wird der Mann von der
Wahrnehmung seiner Erziehungsaufgabe abgedrängt. Solch jahrelange
Verunglimpfung väterlicher Autorität und ein häufig erbarmungsloses
Eingespanntsein ins Berufsleben treibt viele Familienväter in die innere
Emigration. Der Mann entzieht sich seiner Aufgabe als Ehemann und Vater.
Sein Gefühlsleben und seine Energie werden einerseits vom harten
Überlebenskampf in der globalisierten Wirtschaftswelt in Anspruch
genommen, andererseits wird er aus ideologischen Gründen in der
Entfaltung seines männlichen Wesens zurückgebunden.

Was fehlt, wenn der Mann seinen Platz als Familienoberhaupt und Vater
nicht ausfüllt? Es ist nicht die sogenannt starke Hand, sondern die
Erfahrung der männlichen Fähigkeit und das Bedürfnis des Mannes, andere
zu beschützen, Sicherheit und Orientierung zu geben. Zweifellos spielt
auch die grössere physische Kraft für die Persönlichkeitsbildung des
Knaben eine wichtige Rolle. Der Vater mit seiner Fähigkeit, körperlich
anspruchsvollere Aufgaben zum Wohl der Familie und der Mitmenschen zu
lösen, ist für den heranwachsenden Jungen wichtiges Vorbild. «Das Fehlen
des Vaters ist also durch den Ausfall einer Identifizierungsmöglichkeit
oft schwerwiegend, weil dadurch ein wesentliches Stück
Lebenswirklichkeit nicht gelernt wird, nämlich die Realität Mann. An
dieser Realität orientiert sich normalerweise das Mädchen durch seine
weibliche Unterschiedenheit, der Junge durch seine Gleichheit.»15

Zusammenfassung

Die traditionelle Familie mit den Vorzügen, wie sie eingangs beschrieben
wurden, ist durch den freudo-marxistischen Angriff auf unsere bewährten
kulturellen Werte einem gefährlichen Zersetzungsprozess ausgesetzt.
Glücklicherweise gibt es immer noch viele Familien, die sich ihre
Familienkultur nicht nehmen lassen wollen. Allerdings haben es diese
nicht so leicht, in einem vom Zeitgeist durchtränkten Umfeld
standzuhalten und ihren Kindern eine gesunde Lebensorientierung auf den
Weg mitzugeben. Gerade in diesem von freudo-marxistischer und
radikalfeministischer Ideologie durchtränkten Klima wachsen viele Kinder
in einem emotionalen Vakuum auf. Die dadurch entstehende Leere wird von
den Medien ausgefüllt. Die überlebenswichtige Bindung des Kindes an
seine Bezugspersonen wird unterbunden. An Stelle menschlicher Bindung
tritt Elektronik: Das Kind wird mittels Television und Video in eine
künstliche, unwirkliche Welt eingeführt, zu der die Eltern nur schwer
Zugang haben.

Gleichzeitig fühlen sich Frauen und Männer im Sog der Anpassung an die
gesellschaftliche Entwicklung gezwungen, sich in den ausserhäuslichen
Arbeitsprozess einbinden zu lassen. Als Folge davon kommen zu den neuen
elektronischen «Erziehern» staatlich finanzierte Tagesstätten für Kinder
hinzu. Unter dem Deckmantel sogenannt staatlicher
Familienförderungsprogramme wird das Kind dem Einfluss der Eltern noch
weiter entzogen. Die Folgen einer solchen Kollektiverziehung sind zur
Genüge aus den Erfahrungen der sozialistischen Länder bekannt. Es stellt
sich die Frage, ob wir wider besseren Wissens unseren Nachkommen die
schwerwiegenden negativen Folgen kollektivistischer Erziehung auch noch
antun müssen.

Martin Massow schreibt in seinem lesenswerten Buch «Nach dem
Feminismus»: «Die Kollektiverziehung gleichaltriger Säuglinge und
Kleinkinder führte aber auch in der DDR bald zu dem in der
Kinderheilkunde seit hundert Jahren bekannten Ergebnis, dass Säuglinge
und Kleinstkinder in der Massenpflege nur mit erheblichem Risiko
aufgezogen werden können. Diese Fehlentwicklungen zeigen auch im
'goldenen Westen' vernachlässigte Kinder, die durch die
Elternemanzipation aus dem Familienverband entlassen wurden. Die
wachsenden Zahlen von Halbwaisen und Scheidungskindern, die sich selbst
überlassen sind, kommen nicht von ungefähr, denn die Zerschlagung der
Familienstrukturen ist feministisches Programm. [...] Die Leidtragenden
sind die entelterten Nachkommen. Die Konsequenzen aus einer
vernachlässigten Kindheit bekämen laut Prof. K. Hurrelmann, Universität
Bielefeld, nicht nur die Kinder, sondern die ganze Gesellschaft zu
spüren. [...] Da immer mehr Mütter berufstätig seien und es kaum
Alternativen gäbe, sei oft das Recht der Kinder auf angemessene
Betreuung nicht gewährleistet. Besorgniserregend sei die Zunahme
psychosomatischer Leiden bei den Zwölf- bis Siebzehnjährigen.»16 Die
Kinder werden heimatlos, bindungslos. Anstatt ihre menschlichen
Fähigkeiten entfalten und für Familie und Gemeinwohl einsetzen zu
können, werden sie indifferente Konsumenten oder schlimmer:
instrumentalisierbare Manipuliermasse für die Machtinteressen der
Wirtschaft oder willfährige Soldaten, die jeden Krieg mitmachen.

Wer diese Tatsachen kennt, wird alles daran setzen, unsere Nachkommen
und ihre Familien vor der Zersetzung der Familie zu schützen, weil jeder
Mensch die Erfahrung einer gesunden Familie für eine geglückte
Entwicklung braucht. Es scheint nicht einfach zu sein, aus der
Geschichte zu lernen. Versuchen wir es. Unsere Nachkommen werden es uns
danken.

01 Messner, Johannes, Das Naturrecht. Berlin 1984, S. 555

02 Meyer, S. /Schulze, E. Von Liebe sprach damals keiner. München
1985, S. 129

03 ebd., S. 145

04 ebd., S. 145

05 Kaufman, Theodore M., «Germany must Perish!» (Deutschland muss
vernichtet werden!) New York 1941.

06 Die Luftangriffe der Alliierten hatten im Krieg fast alle
Anlagen der chemischen Industrie verschont, an denen schon vor dem Krieg
eine amerikanische Beteiligung bestanden hatte. Vgl. Röhl, Rainer,
Verbotene Trauer. Ende der deutschen Tabus. München 2002, S. 16

07 ebd., S. 56

08 ab 1942 Sektionschef im US-Aussenministerium und in der
Spionageabwehr, vgl. ebd., S. 60

09 1934-1949 Columbia-Universität, New York, ebd., S. 60

10 war während des Krieges ebenfalls in die USA emigriert, ebd.,
S. 60

11 ebd., S. 62f.

12 vgl. ebd., S. 68

13 ebd., S. 70

14 Mies, Maria, Patriarchat und Kapital. Zürich 1986, S. 13

15 Bang, Ruth, Autorität. Gewissensbildung, Toleranz. München
1967, S. 57f.

16 Massow, Martin. Nach dem Feminismus. Düsseldorf 1991 S. 153f.



Artikel 17: Zeit-Fragen Nr.50 vom 9. 12. 2002, letzte Änderung am 9. 12.
2002



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