Ansar Al-Islam ist nicht kurdisch (Offener Brief an Herrn Generalbundesanwalt Nehm)

von Kurdistan Infos » Mittwoch, 8. Dezember 2004



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Ansar Al-Islam ist nicht kurdisch !!!

Geschrieben von Amanc Zaxoly

Samstag, 04 Dezember 2004

Ein offener Brief an Herrn Generalbundesanwalt Nehm


Sehr geehrte Herr Generalbundesanwalt Nehm,

„Radikalislamische Kurden hatten die Gruppierung 2001 im Nordirak
gegründet. Die Extremisten streben mit Waffengewalt die Gründung eines
islamischen Staates Kurdistan nach dem Vorbild der Herrschaft der
islamistischen Taliban in Afghanistan an.“ Das waren Ihre Worte nach
der Festnahme von 3 Irakern, die einen Anschlag auf den irakischen
Präsidenten Allawi geplant hatten.

Dass die „Ansar Al-Islam“ sich neuerdings für die Schaffung eines
freien Kurdistan einsetzen, hat kein Kurde vor Ihrer Aussage gewusst.
Durch Ihre Worte, die in der Presse vielfach zitiert werden, stellen
leider ein völlig falsches und verzerrtes Bild der kurdischen
Verhältnisse im Nordirak dar.



Die „Ansar Al-Islam“ ist nach dem 11.9.2001 aktiv geworden und hat bis
2003 ein kleines Gebiet zwischen Halabja und der iranischen Grenze mit
Waffengewalt besetzt. Es ist korrekt, dass der Gründer, Mullah Krekar,
ein Kurde ist und die terroristische Organisation in Kurdistan
gegründet wurde. Doch die Mehrheit der Mitglieder ist nicht kurdisch!
Es sind einige wenige Kurden, die Mehrheit sind Araber, ehemalige
Taliban, die geflüchtet sind, Iraner, Pakistaner etc. Auch der Name der
Gruppe ist arabisch. Ihr Ziel ist keineswegs die Schaffung eines
kurdischen Staates. Wozu würden sich Araber, Afghanen, Iraner oder
Pakistaner einer Gruppe anschließen, die ein Kurdistan schaffen will?
Die Realität sieht anders aus. Und leider wird wieder einmal aufgrund
fehlender und falsche Informationen seitens der Presse der deutschen
Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild Kurdistans vermittelt.
Der kurdische Teil des Irak, Nordirak, ist seit dem Ende des 2.
Golfkrieges de facto unabhängig und untersteht in keinerlei Hinsicht
der Zentralregierung in Bagdad. Es gab Wahlen und in Hewler wurde das
Kurdistan Parlament geschaffen. Irakisch-Kurdistan hat seit dem eine
selbständige Regierung, die ohne Zweifel demokratischer ist, als jede
Regierung im Irak seit der Gründung des Staates bis zur Saddam-Zeit.

Ziel der „Ansar Al-Islam“ war es nun nach der Gründung, genau diese
kurdische Regierung zu bekämpfen, zu zerstören.
Mit Selbstmordattentätern, Autobomben und ähnlichen Anschlägen kämpften
sie bis 2003 gegen die KRG (Kurdistan Regional Government) in irakisch-
Kurdistan. So wurden z.B. Anfang 2003 bei einem Angriff mehrere
kurdische Sicherheitskräfte und Politiker von der „Ansar Al-Islam“
regelrecht geschlachtet und Bilder davon veröffentlich. Das Jammern der
kurdischen Regierung über diesen Zwischenfall wollte in Deutschland
niemand hören. (Hier die Damalige Presseerklärung eines Vertreters der
kurdischen Regierung http://www.kakm.de/1/Doc/AB_PR_090203.htm)

Dass die Terrorgruppe bis zum Sturz Saddams mit irakischen Waffen
unterstützt wurde, war ein offenes Geheimnis. Auch das Mullah-Regime im
Iran dürfe die Finger im Spiel haben. Denn Jeder, der gegen die Kurden
im Irak kämpfte war ihnen willkommen. Schließlich will das iranische
Regime ähnliche Freiheiten und Selbstbestimmungsrechte für seine eigene
kurdische Minderheit nicht hinnehmen.

Wir Kurden haben es in Deutschland schon schwer genug. Obwohl wir die
3. größte nicht-deutsche Gruppe sind, werden wir leider nicht immer
akzeptiert. Wenn nun der deutschen Öffentlichkeit solch ein verzerrtes
Bild von Kurdistan gezeigt wird, die Terrorgruppe „Ansar Al-Islam“ und
der kurdische Freiheitskampf im Irak gleichgestellt werden, können wir
das nicht akzeptieren.

Die Kurden hatten am meisten unter den Anschlägen und Taten dieser
Terrorgruppe zu leiden. Das muss dem deutschen Volk klar gemacht
werden. Die „Ansar Al-Islam“ wurde von einem Kurden in Kurdistan
gegründet. Das ist eine Tatsache. Doch Tatsache ist auch, dass die
Gruppe mehrheitlich aus Arabern besteht und ihr Ziel die Zerstörung der
kurdischen Regierung war, die für ein demokratisches Kurdistan stand.
Ziel war die Zerstörung der weltoffenen Freiheit, die die Kurden seit
dem Ende des 2. Golfkrieges genossen.

Wir Kurden kämpfen seit Jahrzehnten für unsere Freiheit, für
Menschenrechte, für Demokratie und Selbstbestimmung. Wir wären die
letzten, die sich einer Terrororganisation wie der„Ansar Al-Islam“
anschließen würden. Zu unserem Unglück ist der Gründer nun einmal
Kurde. Doch beachten Sie bitte, dass die größte Mehrheit der über 40
Millionen Kurden für Demokratie und Selbstbestimmung steht. Das ist
unser innigster Wunsch seit vielen, vielen Jahren.

Ich bitte Sie, bei Ihrer nächsten Pressekonferenz diese Tatsachen und
das Enttäuschen der kurdischen Menschen, in Deutschland und überall auf
der Welt, zu berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüßen
(eKurd News/Amanc Zaxoly - 4.12.2004)

www.kurden-gegen-terror.tk

XXXX@XXXXX.COM


Quelle: www.ekurd.de





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