Freiheit und Demokratie - Gefolterte Iraker

von G.Lange » Samstag, 1. Mai 2004




Gefolterte Iraker

01.05.2004

Am Donnerstag veröffentlichte der US-Sender CBS in seiner Sendung
"60 Minutes" Bilder von durch US-Soldaten gefolterte irakische
Gefangene.
http://www.cbsnews.com/stories/2004/04/27/60II/main614063.shtml

Die Berichte über diese Vorgänge wurden weltweit von den Medien
verbreitet - ganz im Gegensatz zu vorangegangenen entsprechenden
Berichten - allerdings mit Ausnahme der CBS-Sendung und einiger
arabischer Medien ausnahmslos ohne die beschriebenen Bilder tat-
sächlich zu zeigen.
http://www.freace.de/artikel/200402/folter190204.html

Tatsächlich ist das Wiedergeben dieser Bilder sicherlich diskus-
sionsfähig. Da die gefolterten Iraker allerdings einerseits durch
die ihnen über die Köpfe gezogenen Säcke nicht zu erkennen sind,
die für die Mißhandlungen verantwortlichen US-Soldaten allerdings
sehr deutlich und diese Bilder außerdem ungleich mehr Aussagekraft
haben als die Beschreibung von "nackten Irakern, die eine Pyramide
bilden mußten" scheint eine Wiedergabe dieser Bilder allerdings
notwendig.

Die nachfolgenden Bilder stammen von CBS, wurden allerdings hin-
sichtlich Farbe und Helligkeit nachbearbeitet, um eine klarere
Darstellung zu erreichen. Die "ausgeblendeten" Bereiche wurden
nicht bearbeitet.

http://www.freace.de/artikel/200405/010504a.html

Am Freitag nun sagte eine Sprecherin des US-Militärs einem AP-Bericht
zufolge, daß die aufgrund dieser Vorfälle angeklagten Soldaten die
Genfer Konventionen nicht gekannt hätten. Diese Aussage kann nicht
einfach als "Rückzugsgefecht" betrachtet werden, da sie bei genauerer
Betrachtung nicht einmal mehr eine wie auch immer geartete Ent-
schuldigung für das Verhalten der Soldaten bietet.

Sollten die Soldaten die Genfer Konventionen nicht gekannt haben
und aus diesem Grund der Meinung gewesen sein, daß ein derartiges
Verhalten gegenüber Gefangenen oder sonstigen Menschen akzeptabel
wäre, so würde dies ein überdeutliches Bild auf die innerhalb des
US-Militärs vertretenen moralischen Grundsätze werfen und damit
eben auch sämtliche anderen in der Vergangenheit genannten Über-
griffe gegenüber Irakern erklären.

Würde es sich andererseits um eine Lüge handeln, so wäre dies ein
eindeutiges Zeichen dafür, daß der US-Regierung die Erklärungen
für dieses Verhalten ausgehen.

Weltweit wurden die Handlungen der US-Soldaten von Politikern -
einschließlich des US-Präsidenten George W. Bush und des britischen
Premierministers Tony Blair - zwar verurteilt, es ist allerdings
kaum anzunehmen, daß diese Mißhandlungen vorgesetzten Offizieren
nicht bekannt waren. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird auch gegen
Brigadegeneral Janice Karpinski, die Kommandeurin der 800th Brigade,
der die beschuldigten Soldaten angehören, und weitere Offiziere
ermittelt.
http://news.independent.co.uk/world/americas/story.jsp?story=516637

Unteroffizier Chip Frederick, einer der beteiligten US-Soldaten,
die jetzt auf ein Kriegsgerichtsverfahren warten, deutete in einem
Telephongespräch mit CBS allerdings an, daß die Folterungen noch
wesentlich weitreichender sind.

"Der militärische Geheimdienst hat uns ermuntert und uns gesagt
'Super Leistung'."

"Üblicherweise erlauben sie es nicht anderen dabei zuzusehen, wenn
sie jemanden befragen. Aber da sie die Art mochten, wie ich das
Gefängnis geleitet habe, haben sie eine Ausnahme gemacht."

"Wir helfen ihnen, sie zum sprechen zu bringen durch die Art wie wir
sie behandeln... Wir hatten eine sehr hohe Rate mit unserer Art, sie
zu zerbrechen. Üblicherweise zerbrechen sie innerhalb von Stunden."

Amnesty International (AI) sagte, sie wären von den Bildern
"schockiert, aber leider nicht überrascht". "Amnesty International
hat zahlreiche Aussagen von Irakern, die behaupten, in Abu Ghurayb
und anderen Gefängnissen gefoltert worden zu sein, wo sie ohne
Kontakt zur Außenwelt und ohne Anklage festgehalten werden", so
Kate Allen, Direktorin von AI in Großbritannien.
http://www.islamonline.net/English/News/2004-04/30/article04.shtml

Am Samstag veröffentlichte der britische Daily Mirror in einem
Artikel mehrere Photos, die einmal mehr belegen, daß auch bei
britischen Soldaten die Folterung von Gefangenen offenbar weitaus
üblicher ist als dies bisher öffentlich zumeist angenommen wurde.
http://www.mirror.co.uk/news/allnews/tm_objectid=14199634%26method=
full%26siteid=50143%26headline=shame-of-abuse-by-brit-troops-
name_page.html

Es ist anzunehmen, daß es sich bei den nun bekannt gewordenen Fällen
nur um die Spitze des Eisbergs handelt.

http://www.freace.de/artikel/200405/010504a.html

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